Tüfteln! Testen! Hoffen!

Bis wir im Riesentorlauf, was Set-Up & Fahrgefühl betrifft, da sind, wo ich hinwill, wird es dauern. Die 6 Skitage, die ich bisher auf dem neuen Material gesammelt habe, reichen hinten & vorn nicht!

Hi Leute,

zu allererst gilt es, meinem Freund Felix Neureuther alles Gute und eine schnelle Genesung zu wünschen. Nach seinem furiosen Einstand in Levi, die Saison mit einem Kreuzbandriss noch vor dem zweiten Rennen beenden zu müssen, ist extrem bitter und schade. Megaschade für ihn, den Sport und auch für mich. Ich hoffe, dass er diesen Rückschlag schnell und gut wegsteckt. Er wird uns allen, insbesondere mir in dieser Saison sehr fehlen!

Bleibt das eigene Packerl, das ich seit meiner Verletzung mit mir rumschleppe: Eine Woche vor dem ersten Riesentorlauf der Saison sind die Fragezeichen, die uns auf der Piste begleiten, riesig! Nicht etwa, was meinen Knöchel betrifft – dem geht es nach dem Test beim Levi-Slalom den Umständen entsprechend gut… Fragen stellen sich eher mit Blick auf den ersten RTL-Härtetest. Dort schmerzen die drei Monate Trainingsrückstand doch ungemein.

Nach der ersten RTL-Watsch’n auf der Reiteralm vor gut 12 Tagen weiß ich: Das Skifahren auf dem neuen RTL-Material ist etwas vollkommen Neues. Der Riesentorlaufschwung, an den ich mich jetzt wieder gewöhnen muss, ist sehr nah an dem dran, was wir vor fünf Jahren, vor der letzten Materialänderung gefahren sind. Hier wieder das perfekte Gefühl zu bekommen, bedarf einigen Kilometern an Übung, die mir schlichtweg fehlen.

Dank der guten Einheiten in den letzten Wochen mit dem österreichischen und auch dem Schweizer Team habe ich es geschafft, gutes Feedback zu sammeln und die riesengroße Trainingslücke zumindest ein wenig zu schließen. Trotzdem ist klar: bis wir im Riesentorlauf, was Set-Up, Fahrgefühl und Schwung betrifft, da sind wo ich mit meinem Team hinwill, wird es noch eine Zeit lang dauern. Die sechs Skitage, die ich bisher auf dem neuen Material gesammelt habe, reichen dafür hinten und vorn nicht aus…

Konkret ist das RTL-Training für mich momentan ein wildes Auf und Ab: Im einen Moment denke ich beim Runterfahr’n: „Wow, das war super!“ Im zweiten Moment, in dem ich die Kollegen den Hang runterhauen siehe, denk ich: „Ok, das sieht mal ganz anders aus.“ Sprich, mein Einschätzungsvermögen auf den neuen Skiern lässt noch etwas zu wünschen übrig und die eine ominöse Sekunde, die mir momentan einfach fehlt, die müssen wir noch finden.

Hoffnung macht mir hierbei vor allem mein Team und die Vergangenheit. Beide haben gezeigt, dass man, mit der nötigen Hingabe und entsprechendem Tüftelaufwand bei frischen Set-Up-Änderungen früher oder später einen ordentlichen Sprung machen kann. Wann und ob das in dieser Saison möglich ist, wird sich zeigen. Alles, was wir tun können, ist unser Bestes geben und nichts unversucht lassen. Genau das tut mein Team jetzt, wo sie von mir endlich Feedback zum neuen Material bekommen.

Unterm Strich ist unsere Reise in die USA, die Montag beginnt, eines von vielen Experimenten, die notwendig sind, um in dieser Saison Fuß zu fassen. Wir hoffen vor Ort auf gute Bedingungen, um bis zum Rennen am kommenden Sonntag wenn möglich drei Trainingstage und einige Materialtests absolvieren zu können. Bis dahin – so hoffen wir – haben wir das ein oder andere gefunden, was es uns erlaubt, schon im ersten RTL-Rennen auf Top-Niveau mitzufighten.

Wir sehen uns in Beaver Creek.

Euer Marcel!