Sommer, Sonne, Trainingsreiz

Marcel Hirscher ist zurück im Rennmodus, wenn auch abseits der Piste. Das Motto: Hauptsache auf Zug

Von Henner Thies

Österreichs Ski-Ass hatte es angekündigt: „Nach dem Urlaub wird wieder beinhart trainiert!“ Doch nicht jede seiner Sommeraktivitäten dient Marcel Hirscher zur Vorbereitung auf eine potenzielle fünfte große Kristallkugel – oder?

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Marcel, du warst kürzlich eine Woche mit der Familie in Holland – was habt ihr in der zweiten Heimat gemacht? Neben den Städten Amsterdam und Den Haag war der Besuch im Haus meiner Tante ein großes Highlight. Da kamen eine ganze Menge Erinnerungen hoch, weil ich dort in meiner Jugend doch sehr viel Zeit verbracht habe. Abgesehen davon genieße ich es jedes Mal sehr, an der Nordsee zu sein. Auch wenn wir dort diesmal in einen riesigen Sommersturm geraten sind. Aber vom Pier aus hautnah zu erleben, wie der Sturm das Meer aufpeitscht, war extrem beeindruckend.

Wie man hört, bist du längst wieder voll im Training – wie sieht das derzeit aus und wie verändert sich dein Workout, je näher die Saison rückt? Nach der Saison stand viel allgemeines Bewegen auf dem Programm. Im Anschluss haben wir den Fokus dann aufs Maximalkrafttraining gerichtet, damit ich wieder etwas an Masse zulegen kann. Jetzt beginnt die Drecksauphase, in der es darum geht, den Körper im übertragenen Sinn auch mal ordentlich gegen die Mauer zu schmeißen. Das ist mit die härteste Phase in der Vorbereitung, aber ich glaube auch eine der entscheidenden.

„Jetzt beginnt im Training die Drecksauphase, in der es darum geht, den Körper auch mal ordentlich gegen die Mauer zu schmeißen.“ –

Marcel Hirscher

Neben dem Training steht dein Sommer ganz im Zeichen der Autorennen. Du hast unter anderem eine Rennlizenz erworben – was genau hast du dabei gelernt? Das Beste am „Führerschein für die Rennstrecke“ ist, dass er mir die Möglichkeit gibt, ab sofort des Öfteren im Rennauto zu sitzen. Dazu gelernt habe ich vor allem in Sachen Linienführung, Anbremspunkten und verschiedenen Techniken, das Auto permanent auf Zug zu halten.

SOELDEN,AUSTRIA,25.OCT.15 - ALPINE SKIING - FIS World Cup season opening, Rettenbachferner, giant slalom, men. Image shows Marcel Hirscher (AUT). Photo: GEPA pictures/ Andreas Pranter

Anfang August können deine Fans sich beim Audi TT Cup in Spielberg von deinen Rennkünsten überzeugen – dort startest du Seite an Seite mit Aksel Lund Svindal und Felix Neureuther: Mit welchen Gefühlen gehst du ins Rennen? (lacht) Ich will zunächst die Erwartungen dämpfen. Wir haben einen Tag auf der Rennstrecke trainiert – von daher gehe ich das Rennen ganz entspannt an. Ich denke, es wird trotzdem ein lustiger Dreikampf zwischen Felix, Aksel und mir. Spannend wird außerdem der Start, bei dem plötzlich 24 Autos unterwegs sind. Das ist ein großer Unterschied zu den Tests, die wir alleine absolviert haben. Abgesehen davon wird uns der Rest des Feldes wahrscheinlich erst dann wieder kümmern, wenn wir überrundet werden (lacht).

Kann man Lehren, die man bei Auto-Rennen auf Asphalt zieht, in irgendeiner Art und Weise auf Ski-Rennen im Schnee ummünzen? Wenn ja, dann für den Slalom, dass man seine Augen wieder an die Geschwindigkeit gewöhnt. Dinge wie Kurveneingang und Kurvenausgang sind dann eher mit den Speedbewerben vergleichbar, wo sich die Kurvenradien ebenfalls mit höherer Geschwindigkeit weiten.

ALTA BADIA,ITALY,21.DEC.14 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, giant slalom, men. Image shows Marcel Hirscher (AUT). Photo: GEPA pictures/ Mario Kneisl

Stichwort Speedbewerbe: An die hast du dich in der letzten Saison ja zunehmend herangearbeitet – gibt es schon Tendenzen für die kommende Weltcup-Saison? Ganz und gar nicht. Das werde ich genauso handhaben wie letzte Saison. Wenn ich mich danach fühle und glaube, dass es mir hilft, werde ich mir den ein oder anderen Speedbewerb anschauen, wenn nicht, lasse ich es bleiben.

„Ich zögere meinen Rückkehr auf die Ski bewusst etwas heraus, um dann, wenn es drum geht, richtig für die Sache zu brennen.“ –

Marcel Hirscher

Was du unter keinen Umständen bleiben lässt, sind Motocross-Touren und Kajak-Trips. Sind das Dinge, die du völlig losgelöst von jeglichen Trainingszwecken betreibst, oder dienen auch die der Vorbereitung? Das sind reine Hobbies, die ich mache, weil sie mir Spaß bringen. Allerdings streue ich sie schon auch mal als eine Art Extra-Einheit ein. Die Kombination aus Krafttraining in der Früh und Motocross-Einheit am Nachmittag zum Beispiel taugt mir voll, weil das die Einheiten sind, die am umfassendsten sind und zugleich am meisten Spaß machen.

Zum Abschluss, die Frage, die alle Ski-Fans brennend interessiert: Wann geht’s zurück auf die Ski? (lacht) Zum jetzigen Zeitpunkt liegt das in weiter Ferne, weil ich noch überhaupt keine Lust habe, wieder Ski zu fahren. Ich weiß, dass einige Kollegen schon wieder auf Schnee unterwegs sind, aber bei mir wird das noch ein wenig dauern. Ich zögere meine Rückkehr auf die Ski bewusst etwas heraus, um dann, wenn es drum geht, richtig für die Sache zu brennen.