Knallhartes Kitzbühel

Platz 2 im Slalom ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt heißt’s weiter Vollgas

Von Marcel Hirscher

Hi Leute,

zuerst möchte ich Aksel Lund Svindal und meinen ÖSV-Kollegen gute Besserung wünschen! Bis zuletzt haben wir nach den vielen Abfahrts-Stürzen für Aksel und Co. das Beste gehofft. Die Diagnose Kreuzbandriss ist zu diesem Zeitpunkt nicht nur für einen Aksel in Bestform dramatisch. Auch für Max Franz, Florian Scheiber und Georg Streitberger ist die Saison nach den Crashs am Hahnenkamm gelaufen.

KITZBUEHEL,AUSTRIA,24.JAN.16 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, slalom, men, award ceremony. Image shows the emotion of Marcel Hirscher (AUT) with Henrik Kristoffersen (NOR). Photo: GEPA pictures/ Wolfgang Grebien

Angesichts der Fülle an Stürzen muss und darf man die Sicherheit im Abfahrtssports in Frage stellen. Klar, es ist ein schmaler Grat zwischen spektakulärer und kaum noch fahrbarer Piste und den schwersten Job hat hier sicherlich der Verantwortliche der FIS, doch nach dieser Sturzserie darf man ernsthaft überlegen, wie man die Speed-Bewerbe in Zukunft wieder sicherer gestaltet…

Für mich persönlich hat das Hahnenkamm-Wochenende mit Platz 23 beim Super-G sehr gut begonnen. Leider ist es mir beim darauffolgenden Kombi-Slalom wegen des unglücklichen Einfädlers nicht gelungen, die gute Ausgangslage in ein zählbares Resultat umzumünzen. Ich hab gemerkt, dass ich die Stange frontal erwischt habe und gehofft, dass es mich mit dem Ski auf die richtige Seite klopft – leider war das nicht der Fall. Aber auch im Hochleistungssport stirbt die Hoffnung zuletzt. Deshalb hab ich in dem Moment weiter auf die Tube gedrückt – ähnlich einem Stürmer, der einen Pass in den Lauf bekommt und völlig frei aufs Tor stürmt. Der überlegt im entscheidenden Moment auch nicht, ob er im Abseits steht, oder nicht.

KITZBUEHEL,AUSTRIA,24.JAN.16 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, slalom, men. Image shows Marcel Hirscher (AUT). Photo: GEPA pictures/ Mario Kneisl

Trotzdem: Ein Einfädler in Wengen gefolgt von einem Einfädler im Kombi-Slalom fördert nicht unbedingt die Lockerheit. Umso glücklicher bin ich über das Ergebnis im Spezialslalom. Dort am Stockerl zu stehen, war für mich enorm wichtig. Auch wenn Henrik mir mit drei Hundertstel Vorsprung wieder denkbar knapp entwischt ist – Platz 2 beim Slalom in Kitzbühel ist für mich ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zumal ich weiß, wo die entscheidenden Hundertstel liegen geblieben sind… Dennoch hat die Zeit unterm Strich gestimmt, das ist alles, was momentan zählt. Mit Blick auf die Rennen in Schladming und Garmisch werde ich die Belastungskurve nun Vollgas oben halten. Ausruhen können wir uns nach dem RTL in Garmisch.

Bis dahin!

Euer Marcel