Hirscher Blog: Zurück auf Los!

Der Jänner war einer meiner besten Skimonate überhaupt. Sowohl emotional als auch punktetechnisch. Diesen Schwung nehmen wir mit nach Südkorea, wissen aber: die Uhren stehen dort auf Null.

Hi Leute,

Die Abreise nach Südkorea rückt näher und die Freude auf eines von vielen Saisonhighlights steigt! Höchste Zeit, die letzten Rennen in Garmisch und Stockholm sowie den Wahnsinns-Rennmonat Jänner noch einmal Revue passieren zu lassen. Starten wir mit Garmisch!

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Das Rennen in GAP ist wieder mal richtig geil gelaufen – genau wie bei den vergangenen drei Rennen. Der Hang taugt mir einfach ungemein. Wahrscheinlich, weil er meinem Trainingsgelände auf der Reiteralm ähnelt: Ich fühle mich dort pudelwohl und das merkt man! Vor drei Jahren habe dort mit 3,28 Sekunden meinen größten Vorsprung jemals herausgefahren und auch dieses Jahr war der Sieg in Garmisch mit schlussendlich 1,47 Sekunden Vorsprung ein echtes Highlight für mich!

Zudem durfte ich mit dem Triumph in GAP meinen 55. Weltcup-Sieg feiern, der mich zum alleinigen Österreichischer Rekordhalter macht – ein Meilenstein, der sehr gut tut, und mir große Zufriedenheit beschert. Die Tatsache, dass ich in GAP außerdem meinen 10. Rennsieg in dieser Saison feiern durfte – so viele wie noch nie in einer Saison – steht exemplarisch für den unglaublichen Lauf, den wir heuer nicht trotz, sondern wegen meiner Verletzung in der Vorbereitungsphase haben. Top-Material gepaart mit ungekannter Lockerheit und Fokus liefert momentan einfach Top-Leistungen und jede Menge Freude am Skifahren. Wenn man diese am Ende eines intensiven Renntages in Garmisch noch dazu mit einem Manuel Feller am Stockerl teilen kann, ist das umso genialer. Glückwunsch an Manuel, der in den letzten Jahren mit Bandscheibenvorfall, etc. buchstäblich durch die Hölle gegangen ist…

Nächster und letzter Halt vor Südkorea war Stockholm! Die Frage, dieses Rennen auszulassen, hat sich meinem Team und mir nie gestellt. Das City-Event gehört zum Weltcup dazu, Punkt, aus. Natürlich ist es nicht optimal gelaufen, aber mit dem Aus im Viertelfinale, bin ich heuer zumindest schon mal weiter gekommen als letztes Jahr. Von daher war es definitiv eine Reise wert, denn unterm Strich ist jeder Weltcup-Punkt Gold wert.

Stichwort Gold: Während mir der Druck, gewinnen zu müssen, vor der Saison durch die Verletzung komplett genommen wurde, habe ich jetzt vor Südkorea das Gefühl, dass dieser Druck, dass diese Erwartungshaltung, wieder da ist. Die größte Aufgabe wird daher sein, sich die Lockerheit trotzdem beizubehalten. Leichter gesagt, als getan, aber nicht unmöglich. Aber bleiben wir im Hier und Jetzt: Nach dem ebenso erfolgreichen wie anstrengenden Jänner gilt es erst einmal, sich irgendwie zu erholen. Die nächsten drei Tage stehen daher voll im Zeichen der Regeneration – der Rest ist Planung und Organisation.

 

Denn bevor es am Sonntag in den Flieger nach Südkorea geht, müssen wir vor allem den Transport unseres Materials organisieren. Wenn das alles funktioniert und man wohlbehalten vor Ort angekommen ist, kann es losgehen. Für mich heißt das konkret: Abfahrtstrainings für die anstehende Kombi absolvieren, sowie Riesentorlauf und Slalom trainieren. Ziel ist es, in der alpinen Kombination (13.02.), im Riesentorlauf (18.02.) und im Slalom (22.02.) das Maximum abzurufen.

 

So sehr ich beim Team-Bewerb am 24.02 auch starten würde, so realistisch muss ich angesichts des Weltcup-Kalenders sein: Emotional ist es für mich ein absolutes Muss, für Österreich beim Team-Wettbewerb an den Start zu gehen und meinen Teil zum Erfolg beizutragen. Aus organisatorischer Sicht, ist es im Grunde nicht möglich, weil die Rennen in Kranjska Gora bereits die Woche drauf stattfinden. Würde ich im Team-Bewerb starten, hätte ich nur vier Tage, um den Jet-Lag daheim zu überwinden, bevor ich das nächste Rennen fahren müsste… Aber wer weiß: Ich werde sicher nochmal in mich hineinhorchen, aber objektiv gesehen wäre dieses Timing kaum verantwortbar.

Besinnen wir uns zum Abschluss auf das Positive: Der Jänner war einer meiner besten Skimonate überhaupt. Sowohl emotional als auch punktetechnisch haben wir als Team in diesem Monat mehr erreicht, als wir für möglich gehalten haben. 760 Punkte und 6 Siege in 30 Tagen. Diesen Schwung nehmen wir mit nach Südkorea, wissen aber genauso gut, dass Großereignisse ihre eigenen Gesetze haben und die Uhren in Südkorea für alle Athleten auf Null stehen.

 

Wir sehen uns im TV!

 

Bis dahin,

Euer Marcel.