Hirscher Blog: Weniger rechnen, mehr Vollgas!

Für mein Team und mich sind die sieben Siege im Gesamtweltcup das Herausragendste und Bedeutendste, was wir erreichen konnten. Was jetzt noch kommt ist Zugabe.

Hey Leute,

Was für ein Rennwochenende! Sieg beim RTL und beim Parallelbewerb in Alta Badia – schwer zu fassen, aber doch passiert… und das noch vor Weihnachten. ; ) Klar, fragt bei meinem derzeitigen Lauf jeder, wie Ergebnisse mit 2,53 Sekunden Vorsprung im Gran-Risa-RTL möglich sind. Die Antwort ist erschreckend einfach: Weniger rechnen, mehr Vollgas!

Das ist genau mein Motto der Saison. Letztes Jahr habe ich gelernt, wenn der Druck wegfällt und niemand sich etwas erwartet, geht es viel leichter und das versuche ich diese Saison beizubehalten. Bisher funktioniert das ganz gut. So auch gestern bei meinem durchaus überraschenden Triumph im Parallel-RTL. Der Schlüssel zum Erfolg war, jede Runde das Maximum herauszuholen, niemals nachzulassen und möglichst wenige Fehler zu machen.
Unterm Strich hat mir das den 62. Weltcup-Sieg gebracht. Ein Sieg, mit dem mir – laut Medien – ein weiterer Meilenstein gelungen ist: ich habe mit Annemarie Moser-Pröll gleichgezogen und kann am Mittwoch ausgerechnet zu Hause der Österreicher mit den meisten Weltcup-Siegen werden. Was mir das bedeutet? Es ist Ausdruck dessen, was die letzten zehn Jahre gelaufen ist und dafür bin ich sehr dankbar! Viele Menschen haben mir geholfen und einen wertvollen Beitrag zu diesen Erfolgen geleistet, dafür kann ich nicht genug DANKE sagen. Klar ist aber auch: Für mein Team und mich sind die sieben Siege im Gesamtweltcup das Herausragendste und Bedeutendste, was wir erreichen konnten. Was jetzt noch kommt ist Zugabe.

Bleibt der für mich und mein Team wirklich tolle Triumph am Sonntag im Alta-Badia-RTL, der mir prompt Spitznamen wie „König der Dolomiten“ oder „Gran Riese“ eingebracht hat, weil ich bereits zum sechsten Mal in Folge auf der Gran Risa gewinnen konnte. Allesamt nette Einfälle der Journalisten, um ihre Geschichten spannender zu machen, doch zugleich weiß ich, dass darin sehr viel Wertschätzung steckt, für dich ich dankbar bin.
Doch während die Spitznamen Superkräfte suggerieren, sind Ergebnisse wie das vom Sonntag das Resultat harter und akribischer Arbeit – auf der Piste und nicht zuletzt am Material. Zur Zeit passt einfach vieles. Das Setup ist genial und die Jungs von Atomic machen einen sensationellen Job. Die Stimmung im Team ist extrem gut und es geht alles mit einer gewissen Leichtigkeit. Wir sind alle sehr dankbar, was wir erreichen durften und gleichzeitig wissen wir, dass wir nichts mehr beweisen müssen. Jeder hat Freude und gibt alles, um als Team noch stärker zu sein. Es ist wie ein Skiurlaub mit Freunden. Klingt komisch, ist aber so.

Bleibt die Frage, was wir – neben 200 Punkten ; ) – aus Alta Badia mit in die letzten sechs Renn-Durchgänge nehmen, ehe das Jahr zu Ende ist. Zwei Dinge: 1. Sehr viel Müdigkeit. 2. Das Wissen, dass es jetzt gut regenerieren und fit bleiben heißt! Immerhin geht es schon morgen mit dem Riesentorlauf in Saalbach weiter und dann folgt noch der Slalom eben dort. Zum Abschluss steigt dann der letzte Slalom in diesem Jahr in Madonna di Campiglio…

Wir sehen uns,
Euer Marcel