Hirscher Blog: Wechselbad zum Jahreswechsel

So groß die Freude über die Punktausbeute, so groß die Fragezeichen hinter dem derzeitigen Auf & Ab.

SANTA CATERINA,ITALY,29.DEC.16 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, alpine combined, Super G, men. Image shows Marcel Hirscher (AUT). Photo: GEPA pictures/ Harald Steiner

Hi Leute,

Santa Caterina war – wie die meisten Rennen 2016 – ein echtes Wechselbad der Gefühle. Der Auftakt am Dienstag im Super-G war mit Platz 47 und 3,43 Sekunden Rückstand auf den Sieger Kjetil Jansrud eine Niederlage, bei dem wir uns fragen mussten, ob sich der weite Weg für uns überhaupt gelohnt hat… Platz 2 in der Kombi am Donnerstag und die damit verbundenen 80 Weltcup-Punkte haben uns gezeigt – ja, es hat sich gelohnt!

SANTA CATERINA,ITALY,27.DEC.16 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, Super G, men, inspection. Image shows Marcel Hirscher (AUT). Photo: GEPA pictures/ Harald Steiner

So groß die Freude über die Gesamtpunktausbeute in Santa Caterina ist, so groß sind die Fragezeichen, die hinter dem derzeitigen Auf und Ab stehen! Gefühlt fehlen mir momentan vor jedem Rennen zwei bis drei Trainingstage pro Disziplin, um wirklich auf Schiene zu sein. In Santa Caterina hatten wir zwei Material-Varianten für die Renntage vorbereitet. Die erste ist im Spezial-Super-G, inklusive meiner Person, kläglich gescheitert. Zweites hängt mit Erstem unweigerlich zusammen: Sobald ich nicht hundertprozentig sicher bin, was unter mir passiert, verabschiedet sich meine Intuition und mein Körper sendet das klare Signal – lass es bleiben! Unterm Strich aber ein guter Mechanismus, weil er mir hilft, nie out of control zu fahren…

Umso überraschender war es, dass unsere zweite Materialversion, inklusive mir, beim Abschwung im Kombi-Super-G Platz 2 erkämpft hat! Das vermeintlich kleine Adaptionen einen derart immensen Einfluss auf meine eigene Leistung und das Ergebnis haben, hat selbst mich erstaunt, aber genau so ist es!

SANTA CATERINA,ITALY,29.DEC.16 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, alpine combined, slalom, men. Image shows Marcel Hirscher (AUT). Photo: GEPA pictures/ Harald Steiner

Mit Platz 2 im Rücken und nur 0,79 Sekunden Rückstand auf den erstplatzierten Speed-Spezialisten Aleksander Aamodt Kilde war die Ausgangssituation für den Kombi-Slalom nahezu perfekt. Dass es am Ende der Kombi trotzdem nicht Platz 1 geworden ist, lag zum einen am sensationell aufgelegten und zu hundert Prozent risikobereiten Alexis Pinturault, zum anderen daran, dass ich mir nach dem zwölften Tor gedacht habe, dass ich im steilen Stück nicht zu viel riskieren will und stattdessen lieber die Punkte ins Ziel bringe.

Jetzt freue ich mich über zwei, drei erholsame Tage im Kreise meiner Lieben! Weihnachten ist dann doch sehr schnell vorübergegangen und hat leider nicht ganz gereicht, um mich gesundheitlich voll und ganz zu erholen. Bevor es am 5. Jänner in Zagreb weitergeht werde ich es deshalb ruhig angehen lassen – das gilt auf für Silvester und den Jahreswechsel. Ansonsten drücke ich meinem guten Freund Matthias Walkner die Daumen und wünsche ihm für die Rallye Dakar alles Gute, die am 2. Jänner beginnt…

Ich hoffe ihr lasst es krachen! Wir sehen uns im neuen Jahr.
Euer Marcel