Hirscher Blog: Nach dem Kraftakt ist vor dem Saison-Finale

Die kräftezehrenden Wochen haben sich gelohnt: Stockholm und Bansko waren ein großer Schritt in Richtung Gesamtweltcup Nummer 8. Und: Noch nie konnte ich mir Slalom- & RTL-Kristall so früh sichern.

Hey Leute,

seit dem letzten Blog war keine Sekunde Zeit, um zu verschnaufen! Erster Halt nach Are war der City-Event in Stockholm – wie mittlerweile jeder weiß, sind City-Events nicht meine Lieblingsdisziplin… und doch muss ich sagen, dass ich mit meiner Leistung in Stockholm extrem zufrieden bin. Meine Laufzeiten waren sehr gut und alleine der Umstand, dass die Flaggen der Tore niedriger waren als sonst, haben die Sache etwas ausgewogener gestaltet…

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Leider war mein Gegner in der zweiten Runde Ramon Zenhäusern, der bekanntlich zu den besten in dieser Disziplin zählt, das hat er schon oft bewiesen. Dementsprechend war für mich dann eben Schluss… Dennoch zeigt das wieder einmal, dass es nicht immer nur um die Platzierung geht, um zufrieden zu sein, sondern auch um die Gewissheit, dass man sein Maximum herausholt und dadurch eine gute Leistung abliefert. Davon abgesehen, konnte ich mir durch das solide Abschneiden beim City-Event bereits die Slalom-Kugel sichern. ; )

Nächster Halt war Bansko… und sind wir mal ehrlich: Bulgarien und Skisport, wer hat das schon am Schirm? Haben die überhaupt Berge? Die Karpaten? Schon mal gehört, ja, doch wo liegen die überhaupt und gibt es dort Skigebiete? Fragen, die man sich als österreichischer Skifahrer beim Flug nach Sofia durchaus stellt – doch die Überraschung ist groß!

Bansko ist ein traumhaftes Skigebiet und geht auf über 2.500 Meter hinauf. Moderne Lifte und perfekt präparierte Pisten. Das zeigt uns wieder einmal, das Skifahren viel weiterverbreiteter ist, als wir es uns denken. Auch die Rennen waren perfekt organisiert und das ganze Umfeld, wie die Zielarena, die Team-Hospitality, die Pistenpräparation… das alles war tadellos, ja sogar besser, als manche negative Ausnahmen bei uns in den Alpen!

Das Ziel in Bansko war, ganz unabhängig von den dortigen Gegebenheiten, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, deshalb stand dort für mich auch die Kombi am Plan – immer eine extreme Herausforderung! Zumal ich mich auch dieses Mal nicht wirklich darauf vorbereiten konnte, da der Fokus im Training natürlich auf meinen Kerndisziplinen liegt und ich den letzten Super-G beim Finale in Are 2018 gefahren bin. Vor Bansko haben wir einen einzigen Trainingstag untergekriegt. Mit einem Rückstand von 1,83 Sekunden war ich vor diesem Hintergrund, und angesichts der extrem schwierigen Verhältnisse in Bansko, alles andere als unzufrieden.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass sich noch einige zwischen mir und der Bestzeit einreihen, um im Slalom eine noch bessere Startnummer zu bekommen, doch am Ende war es Rang 18 und somit der 13. Startplatz im SL. Glücklicherweise war die Piste gut genug, sodass ich mit einer gelungenen Fahrt sehr viel rausholen konnte. Der Sieg war ohnehin außer Reichweite, da Alexis mit dem fünften Rang im Super-G wieder einmal seine Klasse als Allrounder gezeigt hat. Er ist einfach ein genialer Skifahrer. Für mich waren ein zweiter Platz und 80 Punkte an diesem Tag top und ein weiterer großer Schritt in Richtung Gesamtweltcup Nummer 8, und darum geht es momentan – vielleicht sogar etwas zu sehr, wie sich am übernächsten Tag zeigen sollte…
Nach der Absage des Super-G blieb in Bansko „nur noch“ der RTL, der gekennzeichnet war durch sehr spezielle Bedingungen. Die Schneefälle und die extrem kalten Temperaturen hatten die Piste so verändert, dass es wenig „Gegendruck“ gab. Man musste mit Gefühl fahren und das gestaltete sich als Herausforderung für alle. Ich konnte im ersten Durchgang mit einer soliden Fahrt in Führung gehen.

Im zweiten hat mich leider die Leichtigkeit etwas verlassen. Die Vorgabe, nicht auszuscheiden, um unbedingt Punkte zu holen, fuhr im Hinterkopf mit. Einige kleine Fehler schlichen sich ein und somit war mein zweiter Lauf mäßig. Am Ende bin ich dennoch sehr zufrieden: Rang 2 im RTL, damit die Riesentorlauf-Kugel gesichert und die Ausgangslage für den Gesamtweltcup stark verbessert – was willst du mehr? Vor allem wenn man bedenkt, dass es mir in all den Jahren noch nie gelungen ist, Slalom- und RTL-Kristall so früh in der Saison zu sichern!

Leider gab es am Bulgarien-Wochenende auch schlechte Nachrichten – die Knieverletzung von Marco Schwarz ist extrem bitter! Blacky hatte in den letzten Wochen ein intensives und erfolgreiches Programm absolviert. Drei WM-Medaillen, der dritte Platz in Stockholm, und dann wollte er sich am Freitag natürlich auch noch die Kugel in der Kombination sichern. Die Voraussetzungen waren sehr gut und ich war überzeugt, dass er es schaffen würde.

Sein härtester Gegner hieß Alexis Pinturault und da ist klar, dass man alles riskieren muss, um sich gegen ihn durchzusetzen. Am Ende wurde ihm der Zielsprung zum Verhängnis. Blackys Comeback hat dank der schnellen Operation seines Kreuz- und Innenbandrisses bereits begonnen und ich bin davon überzeugt, dass er sich im Herbst extrem stark zurückmelden wird. Ich traue ihm zu, dass er der nächste österreichische Gesamtweltcupsieger werden kann!

Für mich ist nach den kräftezehrenden letzten Wochen jetzt erst einmal Pause und Regeneration angesagt, denn ich bin noch immer nicht ganz gesund! Kvitfjell lasse ich daher wie angekündigt auch in diesem Jahr aus. Statt eines weiteren Rennens starten wir Ende dieser Woche ein spezielles Riesentorlauf- und Slalomtraining, um in zwölf Tagen in Kranjska Gora und im darauffolgenden Saisonfinale wieder mein volles Potential ausschöpfen zu können. Bis dahin wünsche ich euch noch ein paar sonnige Skitage und alles Beste!

Wir sehen uns in Slowenien,

Euer Marcel