Hirscher Blog: Mit 27 Jahren zur Legende!

Der Gesamtweltcup ist entschieden, die Riesenslalom-Kugel gehört nach 2012 & 2015 wieder mir. Yes!

marcel-zum-fünften-mal-ski-gesamtweltcup-sieger

Hi Leute,

jetzt ist der Sack zu und die fünfte Kugel wohl fixiert. Doch wie ging das? In Kurzform: Einmal Dritter, zweimal Erster, fertig! Doch so einfach war das natürlich nicht. Am Freitag war ich im ersten Durchgang Siebenter. Acht Zehntel Rückstand. Da half nur eines: Alles oder Nichts! All in! Mit Bestzeit im zweiten Lauf Platz drei und damit um zwanzig Punkte meinen Vorsprung ausgebaut. Nicht genug…

freude-beim-ösv.-marcel-mit-philipp-schörghofer

Samstag, dichtes Schneetreiben, schwierige Pisten- und Sichtverhältnisse. Von den Schlägen her, einer der schwersten Riesenslaloms, die ich je gefahren bin. Echt grenzwertig. Doch ich wusste, ich kann gewinnen und ich wusste, ich habe damit die Möglichkeit den Gesamtweltcup klar zu machen. Ich ging das Risiko ein. Auch, dass ich ausfallen könnte, doch ich hatte ja noch mehrere Chancen, um Punkte zu sammeln. Und auch im Riesentorlauf-Weltcup zu wissen, wenn ich gewinne, kann ich das einmal fixieren, war mir ganz, ganz viel wert.

Das Geheimnis: Ich habe einen halben Millimeter am Setup verändert. Manchmal kann ein halber Millimeter die ganze Skiwelt bedeuten. Das Resultat: Zweimal Laufbestzeit. Alexis Pinturault, der die letzten vier Riesenslaloms gewann, geschlagen. Es geht (doch noch). Damit war der Gesamtweltcup in der Praxis entschieden. Rechnerisch gibt es zwar noch die Möglichkeit, aber… ganz, ganz fix ist: Die Riesenslalom-Kugel gehört nach 2012 und 2015 wieder mir. Yes!

marcel-„der-druck-war-groß-“

Sonntag war wie ein Neustart. Slalom, in letzter Zeit kaum trainiert, doch nichts, gar nichts mehr zu verlieren. Das ist ein Gefühl. Seit dem ersten Durchgang von Sölden 2012 fahre ich immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, Punkte sammeln zu müssen. Gut, das habe ich mir selbst zuzuschreiben, es zwingt mich ja niemand um den Gesamtweltcup zu kämpfen. Dennoch ist das wie ein schwerer Rucksack. Nie alles riskieren zu können und immer der Gedanke: „Nicht ausfallen, punkten!“

Die Anspannung war dieses Jahr nicht größer, aber anders. Ich glaube, wenn man was zum Greifen nah hat, fällt es noch schwerer, weil man, unter Anführungszeichen, eh nur ‚normal‘ tun muss. Wenn man Außergewöhnliches leisten will, muss man über seinen Schatten springen und dementsprechend ans Limit gehen. Man hat eine Möglichkeit und eine Chance, das zu versuchen. Wenn ich in letzter Zeit die Schlagzeilen lesen durfte, das setzte mich massiv unter Druck, da kann ich ja nur verlieren. Ich bin definitiv keine Maschine.
Der Druck für mich war natürlich auch dadurch hoch, weil es etwas Historisches ist. Das ist ein Rekord, den wohl niemand so schnell einstellen wird. Fünf Jahre lang wird das zumindest einmal niemandem gelingen.

marcel-über-seinen-slalom-sieg-„leider-geil

Gestern war es reines Rennfahren, das war unglaublich, ich bin so dankbar dieses Gefühl wieder zu haben. Es war wie in meinen frühen Jahren im Weltcup. Kein Nachdenken oder Kalkulieren, kein Taktieren, sondern befreit Skifahren und gewinnen wollen, um den Preis, auch mal mit Zwischenbestzeit auszuscheiden. So war es dann auch: Zweimal Laufbestzeit und mein zweiter Slalomsieg in dieser Saison. Gratulation an Henrik Kristoffersen, der sich die Slalom-Kugel eindrucksvoll und verdient geholt hat.

Nun darf ich mir ein paar Tage Pause gönnen. Erholen, Physiotherapie, ausschlafen und ab Mittwoch natürlich auch wieder trainieren. Die Rennen in Kvitfjell werde ich mir im Fernseher reinziehen und meinen Kollegen die Daumen drücken. Dann reise ich zum Finale und werde das „Genussskifahren“ fortsetzen. Befreit und mit Freude versuchen, das Maximum herauszuholen. Einfach Spaß haben – „drei Rennen, wie damals“! ; )

Den nächsten Blog gibt es erst nach dem Weltcupfinale, da ich mir auch beim Schreiben eine Pause gönne. Danke für euer Verständnis!
Bis dahin, alles BESTE,
Euer Marcel