Hirscher Blog: Medaillen-Hattrick in St. Moritz

Der Marcel, der im Weltcup fährt & der, der WM-Medaillen gewinnt, sind zwei verschiedene Athleten.

Hi Leute,

was für eine WM, was für eine Ausbeute! Zwei Mal Gold und ein Mal Silber – ein absoluter Traum… Dass uns nach den Schwierigkeiten in der ersten WM-Woche mit meinem Infekt und den Nachwirkungen davon so ein Abschluss gelungen ist – schöner kann es kaum laufen! Meine Spezialdisziplinen, Slalom und Riesentorlauf, waren natürlich der Hauptgrund, weshalb wir überhaupt nach St. Moritz gefahren sind. Nun beides mit Gold veredelt zu haben, ist einfach perfekt!

Nicht nur die Medaillen machen diese WM zu einer ganz besonderen für mich, es sind die kleinen Momente zwischendurch. Momente, wie bei der Siegerehrung am Sonntag, als die Hymne gespielt wurde und man das erste Mal Zeit hat, alles Revue passieren zu lassen, was in den vergangenen Wochen passiert ist… Momente wie die, in denen mein Team und ich uns darüber beraten, die Mission Alpine Kombi aufgrund meiner Verkühlung abzubrechen, nach Hause zu fahren und nochmal anzureisen, um den Erfolg in meinen Spezialdisziplinen nicht zu gefährden…

Wenn du dich in diesen Momenten dazu entscheidest, Risiko zu gehen und durchzubeißen, und du am Ende drei Mal mit Edelmetall belohnt wirst, ist die Genugtuung umso größer. Auch deshalb bin ich zutiefst dankbar, für das, was ich mit meinem Team tun und erreichen darf. Denn klar ist auch: mein Umfeld und mein Team machen Erfolge, wie die in St. Moritz, durch ihren hundertprozentigen Einsatz überhaupt erst möglich!

Nach Silber in der Alpinen Kombination dachte ich – gut, dass unsere Rechnung aufgegangen ist. Nach Gold im Riesentorlauf war der Druck mit einem Mal komplett weg. Ich dachte mir, wenn ich im Slalom alles gebe und es nicht für eine Medaille reicht – auch nicht tragisch, ich bin ja schon Weltmeister ; ) Im Slalom hat mir dieser Gedanke die nötige mentale Lockerheit gegeben, um zwei Mal Vollgas runterzudrücken. Das Ergebnis: Ein zweites Mal Gold und die Erkenntnis, dass der Marcel Hirscher, der um den Gesamt-Weltcup fährt und der Marcel Hirscher, der WM-Medaillen gewinnen will, zwei verschiedene Athleten sind. Der erste muss schauen, dass er runterkommt, um in jedem Rennen Punkte zu sammeln, der zweite scheidet lieber aus, als am Ende auf WM-Platz 4 zu landen – frei nach dem Motto: Podest oder Garnichts.

Diesem Motto sind scheinbar auch meine Teamkollegen Roli Leitinger im Riesentorlauf und Manuel Feller im Slalom gefolgt, sonst würde jetzt nicht je eine Silbermedaille um ihren Hals baumeln. Mit beiden habe ich mich riesig mitgefreut – besonders mit Manuel, der am Tag vor dem Rennen derartige Rückenschmerzen hatte, dass er kaum laufen konnte. 20 Stunden später fährt er mit zwei Super-Läufen zu Silber – Chapeau!

So groß die Freude über die Ausbeute in St. Moritz ist, so leer sind nach den WM-Wochen die Akkus: Energiemäßig bin ich Stand jetzt am Ende, weshalb auch die große Feier bis nach der Saison warten muss. Bevor es für mich in zwei Wochen in Kranjska Gora in die finalen Weltcup-Rennen geht, stehen jetzt erst mal zwei drei Tage Pause auf dem Programm. Dann werden wir uns kräftig auf die Rennen in Slowenien vorbereiten und versuchen, dort nochmal ordentlich zu punkten. Danach werden wir eh sehen, wo wir im Gesamt-Weltcup, im Riesentorlauf- und im Slalom-Weltcup stehen…

Wir hören uns nächste Woche!
Euer Marcel