Hirscher Blog: Jetzt spricht das Team!

„Als langjährige Wegbegleiter, ständige Beobachter und Teamkollegen von Marcel wissen wir: Was ihn derzeit so erfolgreich macht, ist die enorme Lockerheit, die er seit Wochen an den Tag legt.“

Hi Leute,

hier sind Josef, Mike und Stefan vom Team Hirscher. Normalerweise berichtet Marcel an dieser Stelle von seinen Rennen. Nach seinem ersten Sieg in Wengen – ein weiterer echter Team-Erfolg – hat Marcel sich gewünscht, dass wir, Mike Pircher, sein Trainer, Josef Percht, sein Physio und Stefan Illek, sein Kommunikationsberater, diesen Job ausnahmsweise einmal übernehmen, um „auch mal das Team zu Wort kommen zu lassen“, wie Marcel meinte. Also: „Time to shine“ ; )

Aber Spaß beiseite. Es ist kein Geheimnis, dass diese Saison für uns alle eine außergewöhnliche ist. Zum einen, weil wegen Marcels Verletzung vor der Saison niemand wusste, was wir erwarten konnten und durften. Zum anderen, weil erfolgstechnisch mittlerweile alle unsere Erwartungen (welche hatten wir überhaupt?!) mehr als übertroffen wurden! Nach zehn gefahrenen Rennen stehen für Marcel acht Siege zu Buche oder anders gesagt durchschnittlich 81 Punkte pro Rennen – so gut stand Marcel zu diesem Zeitpunkt noch nie da…

Und jetzt auch noch der Sieg im Wengen-Slalom! Das einzige Rennen, das Marcel bisher nicht gewinnen konnte, erobert er ausgerechnet in dieser Saison. Auf den ersten Blick ist das genauso überraschend, wie der bisherige, äußerst erfolgreiche Saisonverlauf. Als langjährige Wegbegleiter, ständige Beobachter und Teamkollegen von Marcel wissen wir, was ihn derzeit so erfolgreich macht: Es ist die enorme Lockerheit, die Marcel seit Wochen an den Tag legt. Die hatte er so in den vergangenen Jahren noch nie, und wenn er sie hatte, konnte er sie nie über einen so langen Zeitraum beibehalten…

Da wird vor und nach der Besichtigung gescherzt, zwischen den Durchgängen rennt der Schmäh – man merkt, wie viel Freude Marcel, an dem hat, was er macht. Der nun seit fünf aufeinanderfolgenden Slalomrennen anhaltende Erfolg trägt nun mehr und mehr dazu bei und versetzt ihn regelrecht in eine Art Flow-Zustand, in dem ihm alles zu gelingen scheint.

Warum? Ganz einfach: die Verletzung zu Beginn dieser hat Marcel und uns als Team den enormen Erfolgsdruck genommen. In den letzten Jahren waren die mit unheimlichen Erwartungen behaftetet Auftaktrennen in Sölden und Levi für uns alle immer die stressreichsten. In dieser Saison war das anders. Marcel konnte seit langem wieder mal einfach nur überraschen – und es sich leisten, Risiko zu gehen, wo er die letzten Jahre „auf Sicherheit“ gefahren ist, um nicht auszufallen…

Das Ergebnis dieses erwartungsarmen Saisonstarts sind pure Freude am Skifahren, gelebtes Risiko und eine ungeahnte Punkteausbeute. So gesehen war die Verletzung – auch wenn man eine Verletzung nie so bezeichnen oder sehen sollte – ein Segen.

Doch bei aller Euphorie und Freude: Diese Siegesserie ist vom gesamten Team hart erarbeitet! Nachdem klar war, dass Marcel keine wirkliche Vorbereitung wird absolvieren können, und all unsere jahrelang erprobten Routinen mit einem Mal über den Haufen geworfen wurden, dachten alle im Team: jetzt erst recht! Dementsprechend brutal war das Programm, das wir – vom Servicemann über den Physiotherapeuten bis hin zu Marcel selbst – gefahren sind, als Marcels Fuß wieder einigermaßen einsatzfähig war. Das war von 0 auf 120 und mit nichts aus den letzten Jahren vergleichbar!

Umso schöner ist es jetzt und umso interessanter wird es, wenn die unerwartete Siegesserie doch mal reißt und es mal nicht mehr so gut rennt, wie momentan. Aber auch darauf sind wir vorbereitet: wir wissen, der Moment wird kommen. Die Frage, die bis dahin offen bleibt, ist, wie Marcel und wir dann mit der Situation umgehen und ob wir es auch dann schaffen, uns die neu gewonnene Lockerheit zu erhalten?

Jetzt geht es erst einmal mit großen Schritten Richtung Kitzbühel. Ein Heimrennen, auf das wir uns alle jedes Jahr enorm freuen, obwohl für uns Heimrennen weitaus stressiger sind, als viele andere Rennen. Aber auch Kitzbühel dürfte Marcel in diesem Jahr mit einer neu gewonnenen Lockerheit angehen – zumal er nur im Slalom, nicht aber im Super-G starten wird.

Was gilt es jetzt aus trainingstechnischer Sicht bis Kitzbühel zu tun? Marcel ist derzeit in Topform, das muss man so sagen. Diese Form gilt es zu halten – durch ausreichende Regenerationszeiten und vor allem gezieltes und abwechslungsreiches Training: Qualität vor Quantität! Hoffen wir einfach, dass es noch lange so weitergeht!

Wir sehen uns in Kitzbühel!

Mike, Josef & Stefan

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