Hirscher Blog: Es wird nicht leichter!

Momentan kann ich weder im RTL noch im Slalom siegen, ohne dass die Anderen das Ihre dazu beitragen.

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Hi Leute,

zwei Rennen, zwei 2. Plätze – das ergibt 160 Punkte. Für das zweite Val d’Isère Wochenende ist das ok. Das Skifahren war, abgesehen von kleineren Fehlern, in Ordnung. Trotzdem: Es wird nicht leichter! Momentan schaffe ich es nicht, Rennen zu gewinnen, ohne dass die Anderen das Ihre dazu beitragen. Aber der Reihe nach…

Der Riesentorlauf über die altbekannte Face de Bellevarde hat so begonnen, wie später auch der 1. Slalomlauf – mit zu wenig Grip und alles andere als zufriedenstellend. Wir haben die Abstimmung am Set-Up nicht hinbekommen. Der 2. Lauf und schlussendlich Platz 2 im Riesentorlauf war dann ein echter Lichtblick! Zwei Zehntel sind ein Rückstand, der auffindbar und machbar ist. Ganz anders ist die Lage im Slalom. Auch dort hatte ich im ersten Lauf Probleme mit dem Set-Up. Das sind kleine, aber sehr sehr ärgerliche Fehler, die ich nur schwer akzeptieren kann. Natürlich ist es nicht immer einfach, sein Equipment optimal auf die Eigenheiten der verschiedenen Pisten und die unterschiedlichen Schneeverhältnisse anzupassen, aber genau das ist unser Anspruch. Als leidenschaftlicher Tüftler reagiere ich auf solche Dinge sehr sensibel.

Kennt ihr das Gefühl, wenn man so enttäuscht und verärgert ist, dass man für den Moment mit niemandem reden möchte und erst einmal Zeit für sich braucht, um die Sache zu verarbeiten? So ging es mir gestern nach dem ersten Durchgang. Deshalb wollte ich auch sofort in mein Hotelzimmer und keine TV-Interviews geben. Ich hoffe, ihr könnt das nachvollziehen. Wenn ich beim 1. Lauf nach drei Toren merke, ich habe nicht den Grip, den ich mir vorstelle, bin ich alles andere als zufrieden. Trotzdem habe ich versucht, das Möglichste rauszuholen. Dank eines starken zweiten Laufs ist mir das auch gelungen. Nichtsdestotrotz: der Ärger über den 1. Lauf ist auch am Tag nach dem Rennen groß und wird mich bei der Analyse noch einige Male beschäftigen.

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Vor diesem Hintergrund ist die Leistung von Henrik Kristoffersen, der mir nach meinem starken zweiten Lauf nochmal eine halbe Sekunde abnehmen konnte, gigantisch und fast ein bisschen ernüchternd. Dennoch: Ich will das nicht überbewerten. Wir halten den Ball weiterhin flach und arbeiten trotz dieser klaren Erkenntnis konzentriert weiter, bis es am Freitag nach Alta Badia geht. Dort warten mit dem RTL-Klassiker am Sontag und dem Parallel-Event am Montagabend zwei Highlight-Rennen, auf die ich mich schon sehr freue.

Wir sehen uns in Italien.
Euer Marcel