Hirscher Blog: Die Zwangspause als Chance

Wenn ich in Beaver Creek dabei sein kann, wäre das perfekt – alles andere wäre sehr, sehr optimistisch.

Hi Leute,

Rund zwei Wochen nach meinem folgenreichen Einfädler am Mölltaler Gletscher ist die gute Nachricht: Der Heilungsverlauf am gebrochenen linken Außenknöchel ist positiv. Die schlechte: Es dauert seine Zeit! Zwar ist die Hälfte der vorgeschriebenen sechs Wochen Gips bald erreicht, doch der Weg zurück auf Ski ist ein langer… da hilft kein: hätte, wäre, täte. Der Knöchel ist durch, das wird sich von heute auf morgen nicht ändern.

Bleibt die Frage, was tun in einer solchen Situation, in der die Konkurrenz längst die neuen RTL-Ski testet, auf Schnee trainiert und man weiß, dass jedes Training im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sein könnte? Die Antwort lautet – Trainieren. Und zwar an Schwachstellen, für die zu dieser Jahreszeit normalerweise keine Zeit wäre. Sprich gewisse Bereiche am Oberkörper, wichtige Hilfsmuskulatur und natürlich den rechten Fuß ; )

Mir wird also trotz meiner Zwangspause nicht langweilig, im Gegenteil. Die Physiotherapeuten haben alle Hände voll zu tun und ich trainiere jeden Tag so viel ich kann und darf, um meinen Körper so fit zu halten wie möglich. Zudem versuche ich mich mental langsam aber sicher auf Wettkampfmodus zu trimmen. Für mich ist es wichtig, trotz Gipsfuß meinen Rhythmus und den richtigen Mindset zu finden.

Was mir in dieser Situation leider etwas auf den Kopf fällt, ist die Tatsache, dass ich das neue Material nach Ende der letzten Saison nicht mehr getestet habe. Weil die Akkus nach Aspen schlichtweg leer waren, haben wir bewusst entschieden, die neuen RTL-Ski ab September zu testen. Dass das nun nicht möglich ist, macht die kommende Saison schon jetzt extrem spannend. Da fehlen mir zu Beginn, komme was wolle, 20 bis 25 wertvolle Skitage, die mir Alexis und Co. auf dem neuen Material voraushaben. Doch wie bereits gesagt hilft kein Jammern. Stattdessen bin ich dankbar dafür, dass ich gut sechs Jahre lang rein gar nichts hatte, außer vielleicht mal einen Männerschnupfen…

Von daher sehen wir die aktuelle Situation nicht tragischer, als sie ist. Klar, mein Weltcup-Start wird sich verschieben, wahrscheinlich bis Nordamerika. Ich denke, wenn ich in Beaver Creek dabei sein kann, wäre das perfekt – alles andere wäre sehr, sehr optimistisch. Um Pyeongchang mache ich mir dagegen überhaupt keine Sorgen! Da werde ich sicher wieder in Top-Form sein.

In diesem Sinne, warten wir ab, bis ich den Fuß aus dem Gips bekomme, schauen dann, dass ich schnell wieder zum alten Kraftniveau im Fuß und zur alten Mobilität im Knöchel finde und dann gehen wir Ski fahren!

Euer Marcel!