Hirscher Blog: Der Rennmodus hat uns wieder!

In Sölden nützt es nichts, 5 Kugeln daheim rumstehen zu haben, du musst am Hang richtig entscheiden.

Marcel Hirscher of Austria

Hi Leute,

die erste Hürde ist geschafft. Das erste Rennen ist Geschichte und ich weiß: ich bin dabei. Wie jedes Jahr war der Auftakt in Sölden ein hartes Stück Arbeit. Die gute Nachricht: sie hat sich gelohnt! Mit Platz 2 beim Riesentorlauf in Sölden bin ich super happy. Warum? Weil es mir gelungen ist, im richtigen Moment in den Rennmodus zu schalten und im Vergleich zum Training der letzten Wochen ordentlich was draufzulegen!

Marcel Hirscher of Austria

Manch einer behauptet, ich würde bewusst tiefstapeln, wenn ich in der Vorbereitung sage, dass es an so mancher Stelle hakt und ich unsicher bin, wo wir zu Saisonbeginn stehen. Tatsache ist, dass es dir am Start in Sölden gar nichts nützt, wenn du daheim fünf große Kugeln rumstehen hast. Um am Ende vorne zu sein, musst du am Hang die richtigen Entscheidungen treffen. Das haben wir getan!

Auch die Entscheidung, den Riesentorlauf in meinen „alten“ Schuhen zu starten, hat sich am Ende bezahlt gemacht. Die neuen, die derzeit noch in der Prototyp-Phase sind, haben sehr großes Potenzial, an ein paar Details müssen wir aber noch feilen, weshalb sie für ein Rennen wie das in Sölden momentan noch nicht in Frage kommen. Deshalb haben wir auf Altbewährtes zurückgegriffen, um uns die Geschwindigkeit zurückzuholen, die es gebraucht hat, um aufs Stockerl zu fahren.

Alexis Pinturault of France

Den Grundstein für unseren Erfolg haben wir mit einem beherzten 1. Lauf gelegt, der von oben bis unten aggressiv war – den einen kleinen Hakler im Flachstück ausgenommen, den ich mir in jedem Jahr zu leisten scheine und auf den letztlich auch mein Rückstand von 17 Hundertstel auf Alexis Pinturault zurückzuführen ist. Im 2. Lauf wollten wir das Ding dann gewinnen – doch gegen eine Leistung wie die von Alexis wäre das auch ohne meinen schweren Fehler im 2. Durchgang schwierig geworden. Daher: Chapeau Alexis! Er scheint seine Leistung aus den Rennen der letzten Saison konserviert zu haben und hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er momentan der Chef im Riesentorlauf-Ring ist. Viel besser, als er den Hang in Sölden runtergefahren ist, geht es kaum…

Wichtig für mich ist, dass ich es trotz des großen Hoppalas im 2. Lauf geschafft habe, mich ins Rennen zurück zu kämpfen – das Resultat ist die Belohnung dafür. Wer die ersten zwei Tore nach der Steilhangeinfahrt so attackiert wie ich das im 2. Durchgang getan habe, dem kann so ein Fehler am passieren. Von daher überwiegt sicher die Freude, dass ich es geschafft habe, meinen Patzer im weiteren Verlauf wieder auszubügeln.

Marcel Hirscher of Austria

Unterm Strich ist die Erleichterung nach dem Rennen in Sölden bei mir und dem ganzen Team riesig! Der Saisonstart ist und bleibt eine Standortbestimmung – dementsprechend kräftezehrend waren die letzten Wochen. Wir wussten: fährst du in Sölden gut, ist alles super. Schneidest du schlecht ab, wird es unlustig. Von daher freuen wir uns, dass wir den ersten Test bestanden haben und konzentrieren uns jetzt voll und ganz auf den nächsten, der da lautet Slalom, Slalom, Slalom!

Bis dato haben wir ganze drei Tage Slalom trainiert – das ist wenig. Klar also, dass das Slalomtraining mit Blick auf Levi in den nächsten Wochen allgegenwärtig sein wird. Denn in Levi wird es sein wie in Sölden: Die Nervosität wird da sein, die Unsicherheit, aber auch der Wille, das abzuliefern, wozu man im Stande ist. Wenn wir auch das hinter uns haben, sind wir um einiges schlauer. Bis dahin heißt es trainieren und tüfteln…

Wir sehen uns in Levi.
Euer Marcel