Don’t call it a comeback!

In Beaver Creek habe ich mir nach den ersten Toren gedacht: Wow, es geht richtig gut runter! Im Ziel hat sich dieses Gefühl und der Verdacht, dass ich nach wie vor ein Rennpferd bin, bestätigt.

Hi Leute,

was soll ich sagen? Platz 1 beim Riesentorlauf in Beaver Creek war für alle im Team eine riesengroße Überraschung. Dass wir trotz Trainingsrückstand und neuem Material schon im 1. Durchgang vorne mitfahren konnten, war absolut unerwartet. Zu schräg war die letzte Trainingswoche in Colorado: Zu Beginn hatte ich noch rund zwei Sekunden Rückstand auf meine Teamkollegen, Mitte der Woche war es noch eine Sekunde und plötzlich, zwei Tage vor dem Rennen, war ich bis auf fünf Zehntel dran und von einem Tag auf den nächsten dabei…

Die bohrende Frage, ob ich den Trainingsfortschritt im Rennen ummünzen könnte, habe ich am Sonntag auch für mich überraschend beantwortet. Dabei war erste Durchgang gefühlt noch ein wenig mühsam, weil ein Rennen doch immer etwas anderes ist, als Training. Mir persönlich fällt der zweite Durchgang immer etwas leichter – mental und physisch: ganz einfach weil Körper und Geist die exakte Rennbelastung aus dem 1. Durchgang kennen. Bei der Entscheidung in Beaver Creek war es wieder so: Da habe ich mir schon nach den ersten paar Toren gedacht: Wow! Es geht richtig gut runter, die Schwünge fühlen sich super an, das kann was werden. Im Ziel hat sich dieses Gefühl und der Verdacht, dass ich nach wie vor ein Rennpferd bin, bestätigt ; )

Fakt ist: unser Ziel war nicht, das Rennen zu gewinnen. Wir wollten uns den Topleuten vielmehr wieder annähern und versuchen, den Anschluss an die Spitze zu finden. Dass es am Ende für den Sieg gereicht hat, ist gigantisch und wir alle haben eine Riesenfreude daran – nicht zuletzt, weil das gesamte Team in der vergangenen Woche unheimlich viel investiert und Unglaubliches geleistet hat. Trotzdem wissen wir: Beaver Creek ist eine Momentaufnahme und kein Grund, überschwänglich zu werden. Freude ist angebracht, aber der Fokus bleibt bestehen. So früh nach der Materialumstellung bleibt es spannend, was in Sachen Materialanpassung, Set-Up und Linienwahl im Riesentorlauf noch möglich ist.

Summa summarum haben wir in Colorado auch dank des Trainings-Sharing mit den Schweizern und Hernik Kristoffersen viel gutes Feedback und noch mehr Rückschlüsse gesammelt, die uns in den kommenden Wochen sicher weiterhelfen werden. Zudem hilft es, mit Manuel Feller und meinen anderen Teamkollegen, super Sparringspartner zu haben, die in jedem Trainingslauf schneller sein wollen als ich!

Die spannendste Frage mit Blick auf Val d’Isere ist momentan, wie wir es schaffen, nach dem plötzlichen Flugausfall am Sonntag, unsere geplanten Trainings diese Woche unterzubringen. Denn noch sind wir in Colorado statt daheim auf der Couch… Wirkliche Erholung wird es vor den zwei Rennen in Frankreich nun sicher keine geben. Nach den anstrengenden Tagen im hochgelegenen Colorado bitter, denn wenn ich eines noch nicht wieder habe, dann ist es die Skikondition. Aber ich bin sicher, auch die wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Sollten wir den Weg nach Hause doch noch finden, werden wir daheim einen Tag Slalom und einen Tag Riesenslalom trainieren, bevor es am Donnerstag nach Val d’Isere geht. Samstag, Sonntag sehen wir uns dann wie gewohnt beim Rennen!

Bis dahin,

Euer Marcel