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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 20.03.2018

Hirscher Blog: 7 Gesamtweltcuptitel, 2 Olympiamedaillen & große Emotionen!

Von ganz unten, wieder nach ganz oben – was für eine Saison! Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen und den Winter Revue passieren zu lassen.

Hi Leute, 

die Saison ist nun mit dem letzten Rennwochenende in Åre zu Ende gegangen und ich bin überwältigt, wie dieser Winter für mich gelaufen ist. Der Sieg im Riesentorlauf war mein 13. Erfolg insgesamt in dieser Saison und eine Rekordmarke.

7. Streich! 😁#89 #weareskiing #verleihtflügel #IWILL #championstrainwithtechnogym #startenstattwarten #DoWhatYouCant©️ tirolfoto

Posted by Marcel Hirscher on Sunday, March 18, 2018

Noch vor fünf Monaten spukten Gedanken wie „ist die Saison vorüber, bevor sie angefangen hat?“, „wird Olympia ein Thema sein?“ oder „ist das jetzt mein Karriereende?“ in meinem Kopf herum und mein Team und ich haben zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zu träumen gewagt, dass wir in diesem Winter so erfolgreich sein könnten. Als die Genesung dann wie gewünscht voranschritt und ich die ersten Schwünge ohne Schmerzen fahren konnte, legten wir die Strategie für den Winter fest: jeden Tag, jedes Rennen und jedes Ergebnis so zu nehmen, wie es ist und gnadenlos ans Limit zu gehen. Diese „egal-was-passiert“-Mentalität, die jegliches Risiko rechtfertigte, hat mir nun am Ende meine beste Saison mit 13 Siegen, zwei Olympiamedaillen und drei Kristallkugeln eingebracht – ein Traum, der aufgrund der Leichtigkeit, die ich Rennen für Rennen an den Tag legen konnte, Realität wurde. Niemand hat von mir in dieser Saison etwas erwartet – nicht die Medien, nicht die Öffentlichkeit, nicht das Team und nicht einmal ich selbst – und das nahm extrem viel Druck, der nach dem letzten Winter bestimmt da gewesen wäre. Ich bin mir sicher, dass diese Saison ohne die Verletzung, die mich aus der Bahn zu werfen gedroht hat, ganz anders verlaufen wäre. Klingt komisch, ist aber so. Der Knöchelbruch hat sehr viel Positives beigetragen zu dem großen Ganzen!

Auch das Duell mit Henrik Kristoffersen, das dieses Jahr beherrschte, war am Ende ein großer Faktor. Wir pushten uns gegenseitig zu Höchstleistungen und wuchsen beide an dieser Aufgabe! Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Skifahrer der Zukunft, obwohl man mit solchen Annahmen immer sehr vorsichtig sein muss, weil schnell wieder jemand da sein kann, der auch ihn fordert! Die Dichte im Skisport ist sehr hoch und wenn ich an die letzten Jahre denke, hatte ich immer Gegner, die mich an meine Grenzen brachten und gegen die ich mit dem Messer zwischen den Zähnen durch die Rennen musste. Ich denke da zum Beispiel an Ted Ligety, der in Höchstform einfach einen extrem schnellen Schwung gefahren ist und an dem ich mir immer wieder die Zähne ausgebissen habe. Auch Alexis Pinturault fordert immer vollen Fokus und ist wohl einer der härtesten Gegner im Riesentorlauf. Im Slalom sind unter anderen Henrik und Felix Neureuther zwei Kandidaten, die immer um den Sieg mitfahren, aber genau das verhilft zu Wachstum. Mein Wille zum Sieg steht über allem, und egal wie viele Siege schon neben meinem Namen stehen, ich möchte einfach die schnellste Zeit fahren!

Am Saisonanfang hat zugegeben nicht gleich alles geklappt und ich hatte mit vielen Rückschlägen zu kämpfen, doch als ich dann in Levi bei meinem ersten Weltcuprennen nach dem ersten Durchgang auf Rang vier lag, fing alles an in den Flow zu kommen. Dort habe ich gemerkt, dass ich vorne mitfahren kann und dieser Moment hat sich ganz stark bei mir eingebrannt. Zu versuchen, einen schönsten Moment zu definieren ist in diesem Jahr beinahe unmöglich, weil jeder Sieg etwas Besonderes ist. In Kranjska Gora zum Beispiel, war die Freude besonders groß, weil da feststand, dass ich den Gesamtweltcup ein siebtes Mal in Folge für mich entscheiden konnte, aber auch die beiden Olympiasiege werde ich nie vergessen. Bei den Spielen war der Druck in diesem Jahr extrem, weil ganz Österreich von mir erwartet hat, dass ich mit Edelmetall um den Hals nach Hause zurückkehre. Es hieß also angreifen und das von Anfang an! Der erste Sieg in der Kombination war natürlich überraschend, auch für mich, und dann im Riesentorlauf noch einmal ganz oben zu stehen war gigantisch und wir alle hatten eine Riesenfreude daran. Es gab sehr, sehr viele schöne Momente in diesem Winter, mehr als 15!

Was die Zukunft angeht, kann ich jetzt noch nicht sagen, wie es weitergeht! Soviel kann ich zu den Spekulationen rund um einen verstärkten Fokus auf die Speed Disziplinen sagen: um in der Abfahrt und dem Super-G Erfolg zu haben, braucht es eine Menge Zeit und Erfahrung und die habe ich nicht. Mich an diese beiden Disziplinen, die eigentlich ja komplett andere Sportarten im Vergleich zum Slalom und Riesentorlauf sind, heran zu tasten, würde mit Sicherheit ein, zwei Jahre dauern, was mit sehr spärlichem Erfolg vorübergehen, und frühestens im darauf folgenden Jahr, oder später Früchte tragen würde. Die Strecken kennen zu lernen, Kilometer auf den langen Skiern zu machen und sich mit dem Tempo anzufreunden klingt spannend, und reizt mich auch, aber ich will mich dieser Aufgabe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr stellen. Es geht darum, Spaß am Skifahren zu haben und damit ist auch die Frage nach den bleibenden Herausforderungen beantwortet. Nach einem Rennwinter wie diesem, freu ich mich auf Entspannung und darauf, die Seele baumeln zu lassen – erst dann, werde ich wieder ins Konditionstraining einsteigen, die ersten Schwünge machen und schauen, ob ich Spaß daran finde. Es geht mir gar nicht darum, neue Ziele und Herausforderungen zu suchen, die Freude am Skifahren reicht mir und wenn die da ist, dann steht einer weiteren Saison nichts im Wege.

Bevor es in den wohlverdienten Urlaub geht, war ich am Montag noch mit Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits und meiner Kollegin Michaela Kirchgasser bei „Sport und Talk aus dem Hangar-7“ bei Servus TV zu Gastund am Donnerstag geht es auch schon nach Kanada zum Heliskiing, und danach hoffe ich auf warmes Wetter und viel Sonne, damit ich meine Badehose bald auspacken kann. Das Ziel ist, für eine Zeit lang richtig abzuschalten und auf der faulen Haut zu liegen. Bin gespannt wie lange das funktioniert, weil ich doch einen sehr ausgeprägten Bewegungsdrang habe!

Ich möchte mich noch abschließend bei meinem großartigen Team bedanken, das die ganze Saison über volle Einsatzbereitschaft gezeigt und hervorragende Leistungen geboten hat. Ohne diese Menschen würde ich nicht dort stehen, wo ich heute bin – ein riesengroßes Danke dafür! Ich möchte auch Johann Strobl kurz hervorheben, der für viele Jahre mein zweiter Servicemann war und sich nun beruflich verändern wird.

In diesem Sinne: Danke für eine unvergessliche Saison!

Euer Marcel

 

Veröffentlicht : 05.03.2018

Hirscher Blog: Zu perfekt, um wahr zu sein?

Die Entscheidung, auch in Kranjska Gora nicht mit der Stoppuhr in der Hand, sondern mit dem Messer zwischen den Zähnen zu fahren, war wieder einmal die richtige!

Hi Leute,

was war das für ein unvergessliches Wochenende! Sieg im Riesentorlauf und Sieg im Slalom, drei Mal Laufbestzeit und am Ende mit zwei kleinen und der siebten großen Kristallkugel in Folge wieder heimgereist – mehr geht nicht! Dazu die zwei Goldmedaillen in Südkorea, (fast) fertig ist eine Fabel-Saison, die sich keiner von uns je im Leben hätte vorstellen können – am wenigsten ich selbst. Weil das große Ganze, Stand jetzt, nicht zu begreifen ist, fangen wir im Kleinen an. 😉

Beginnen wir mit unserer Zeit in Südkorea: Wir haben lange überlegt, ob wir in der Kombi an den Start gehen sollen. Die Chance war da, doch dafür musste eine gute Abfahrtsleistung her. Die ersten Trainingsleistungen in der Abfahrt waren alles andere als gut. Am Nachmittag vor der Kombi haben wir in einem Sondertraining noch ein anderes Set-Up getestet. Auf einmal fühlte ich mich wohl und konnte auch mehr Risiko nehmen. Am nächsten Tag gelang mir eine mehr als passable Leistung in der Kombi-Abfahrt. Eine gute Ausgangslage für den Slalom. Dass es in dem kurzen, extrem stürmischen Kombi-Slalom, trotz Blindflug im Zielhang, für Gold gereicht hat, lag einzig und allein daran, dass ich bewusst eine rundere Linie gewählt habe, um etwas weiter von den Stangen wegbleiben, und die Gefahr einzufädeln bannen zu können.

Das erste Gold in Pyeongchang sollte mir doch auf gewisse Weise den Druck nehmen. Ich hatte das fehlende Puzzlestück gewonnen. Doch in der Kombi, was für mich und alle anderen überraschend war. Ich wusste: Gold im RTL erwartet ganz Österreich von mir. Das nenne ich Druck. Umso erleichterter war ich, dass es im Riesentorlauf mit zwei sehr guten Läufen ebenfalls für die Goldene gereicht hat. Da fiel eine große Last von meinen Schultern. Ein Grund für den Erfolg im RTL war rückblickend der Schnee in Südkorea. Der ist extrem aggressiv und erinnert in Teilen an den Schnee in Beaver Creek. Weil wir dort schon oft gefahren sind, hatten wir tip top Materialerfahrungen und wussten welches Set-Up funktionieren würde.

GS 1. part #yongpyongskiresort #pyeongchang2018 #olympicspirit

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Der Eiertanz (man muss es so nennen), den wir im Südkorea-Slalom bis zum Ausfall hingelegt haben, lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass wir genau diese Materialerfahrungen für das Slalom-Set-Up nicht hatten… Unterm Strich stehen trotz des verpatzten Slaloms zwei Goldmedaillen von unbeschreiblichem Wert!

Zurück im Weltcup war die erste Aufgabe der Riesentorlauf in Kranjska Gora. Es waren schwierige Verhältnisse, bei denen es teils in nur einem Schwung von griffigem, aggressivem Schnee auf blankes Eis ging. Das hat jeden im Feld schon im 1. Lauf extrem gefordert. Umso glücklicher war ich, dass ich mit 0,73 Sekunden Vorsprung in die Entscheidung gehen durfte, bei der klar war, dass es über eine Buckelpiste führen würde. Mit dem Mindset, dass ich Rennen gewinnen will, statt Punkte zu sammeln, habe ich es im 2. Lauf geschafft, erneut Bestzeit zu fahren und den Sieg im Rennen und in der RTL-Wertung 2018 zu holen!

Während ich beim RTL ohne jeden Druck gestartet bin, war ich im Slalom, vor allem vor dem 2. Lauf, doch ein wenig nervös. Ich wusste, wenn du die Führung aus dem 1. Lauf runterbringst, hast du nicht nur die kleine Slalom-Kugel, sondern auch deinen siebten Gesamtweltcup sicher. Im Starthäuschen habe ich deshalb kurz überlegt, ob ich warten soll, mit welcher Zeit Henrik im Ziel ankommt… Diesen Gedanken habe ich aber schnell verworfen und mir gedacht: Vergiss es, du machst es wie in den restlichen Rennen und fährst volle Kanne und auf Sieg!

Bei der Zieleinfahrt wusste ich dann, dass es wieder einmal die richtige Entscheidung war, nicht mit der Stoppuhr in der Hand, sondern mit dem Messer zwischen den Zähnen zu fahren! 1,22 Sekunden Vorsprung auf Henrik, mein 12. Sieg in dieser Saison und der vorzeitige Gewinn in der Slalom-, Riesentorlauf- und Gesamtweltcupwertung sind ein toller Beweis dafür.

Nach einem solch perfekten Wochenende, noch dazu in Kranjska Gora, wo ich vor neun Jahren meinen zweiten Weltcup-Sieg feiern durfte, ist die Euphorie im Team natürlich riesig. Die Ausgangslage mit dem Knöchelbruch im Sommer war einfach zu arg – und doch steht für mich und das Team nach sieben Gesamtweltcupsiegen eine lupenreine Statistik, die wir, abgesehen von all den Erfolgen, nicht fassen können: In sieben Jahren bin ich in keinem einzigen Rennen krankheits-, oder verletzungsbedingt ausgefallen… allein dafür bin ich sehr dankbar! Das ist alles andere als selbstverständlich.

Ein Grund mehr, auch das Saisonfinale in Åre mit 100 Prozent und vollem Ehrgeiz anzugehen. Wir bleiben uns treu und fahren nicht dorthin, um ein paar Tage Schwedenurlaub zu machen. Wir wollen dieser jetzt schon unvergesslichen Saison, wenn möglich, noch mehr Erfolge hinzuzufügen. Es gilt, was schon das ganze Ski-Jahr gilt: Wir fahren auf Sieg, nicht auf Punkte.

In diesem Sinne – wir sehen und in Åre!

Euer Marcel.

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