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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 02.02.2018

Hirscher Blog: Zurück auf Los!

Der Jänner war einer meiner besten Skimonate überhaupt. Sowohl emotional als auch punktetechnisch. Diesen Schwung nehmen wir mit nach Südkorea, wissen aber: die Uhren stehen dort auf Null.

Hi Leute,

Die Abreise nach Südkorea rückt näher und die Freude auf eines von vielen Saisonhighlights steigt! Höchste Zeit, die letzten Rennen in Garmisch und Stockholm sowie den Wahnsinns-Rennmonat Jänner noch einmal Revue passieren zu lassen. Starten wir mit Garmisch!

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Das Rennen in GAP ist wieder mal richtig geil gelaufen – genau wie bei den vergangenen drei Rennen. Der Hang taugt mir einfach ungemein. Wahrscheinlich, weil er meinem Trainingsgelände auf der Reiteralm ähnelt: Ich fühle mich dort pudelwohl und das merkt man! Vor drei Jahren habe dort mit 3,28 Sekunden meinen größten Vorsprung jemals herausgefahren und auch dieses Jahr war der Sieg in Garmisch mit schlussendlich 1,47 Sekunden Vorsprung ein echtes Highlight für mich!

Zudem durfte ich mit dem Triumph in GAP meinen 55. Weltcup-Sieg feiern, der mich zum alleinigen Österreichischer Rekordhalter macht – ein Meilenstein, der sehr gut tut, und mir große Zufriedenheit beschert. Die Tatsache, dass ich in GAP außerdem meinen 10. Rennsieg in dieser Saison feiern durfte – so viele wie noch nie in einer Saison – steht exemplarisch für den unglaublichen Lauf, den wir heuer nicht trotz, sondern wegen meiner Verletzung in der Vorbereitungsphase haben. Top-Material gepaart mit ungekannter Lockerheit und Fokus liefert momentan einfach Top-Leistungen und jede Menge Freude am Skifahren. Wenn man diese am Ende eines intensiven Renntages in Garmisch noch dazu mit einem Manuel Feller am Stockerl teilen kann, ist das umso genialer. Glückwunsch an Manuel, der in den letzten Jahren mit Bandscheibenvorfall, etc. buchstäblich durch die Hölle gegangen ist…

Nächster und letzter Halt vor Südkorea war Stockholm! Die Frage, dieses Rennen auszulassen, hat sich meinem Team und mir nie gestellt. Das City-Event gehört zum Weltcup dazu, Punkt, aus. Natürlich ist es nicht optimal gelaufen, aber mit dem Aus im Viertelfinale, bin ich heuer zumindest schon mal weiter gekommen als letztes Jahr. Von daher war es definitiv eine Reise wert, denn unterm Strich ist jeder Weltcup-Punkt Gold wert.

Stichwort Gold: Während mir der Druck, gewinnen zu müssen, vor der Saison durch die Verletzung komplett genommen wurde, habe ich jetzt vor Südkorea das Gefühl, dass dieser Druck, dass diese Erwartungshaltung, wieder da ist. Die größte Aufgabe wird daher sein, sich die Lockerheit trotzdem beizubehalten. Leichter gesagt, als getan, aber nicht unmöglich. Aber bleiben wir im Hier und Jetzt: Nach dem ebenso erfolgreichen wie anstrengenden Jänner gilt es erst einmal, sich irgendwie zu erholen. Die nächsten drei Tage stehen daher voll im Zeichen der Regeneration – der Rest ist Planung und Organisation.

 

Denn bevor es am Sonntag in den Flieger nach Südkorea geht, müssen wir vor allem den Transport unseres Materials organisieren. Wenn das alles funktioniert und man wohlbehalten vor Ort angekommen ist, kann es losgehen. Für mich heißt das konkret: Abfahrtstrainings für die anstehende Kombi absolvieren, sowie Riesentorlauf und Slalom trainieren. Ziel ist es, in der alpinen Kombination (13.02.), im Riesentorlauf (18.02.) und im Slalom (22.02.) das Maximum abzurufen.

 

So sehr ich beim Team-Bewerb am 24.02 auch starten würde, so realistisch muss ich angesichts des Weltcup-Kalenders sein: Emotional ist es für mich ein absolutes Muss, für Österreich beim Team-Wettbewerb an den Start zu gehen und meinen Teil zum Erfolg beizutragen. Aus organisatorischer Sicht, ist es im Grunde nicht möglich, weil die Rennen in Kranjska Gora bereits die Woche drauf stattfinden. Würde ich im Team-Bewerb starten, hätte ich nur vier Tage, um den Jet-Lag daheim zu überwinden, bevor ich das nächste Rennen fahren müsste… Aber wer weiß: Ich werde sicher nochmal in mich hineinhorchen, aber objektiv gesehen wäre dieses Timing kaum verantwortbar.

Besinnen wir uns zum Abschluss auf das Positive: Der Jänner war einer meiner besten Skimonate überhaupt. Sowohl emotional als auch punktetechnisch haben wir als Team in diesem Monat mehr erreicht, als wir für möglich gehalten haben. 760 Punkte und 6 Siege in 30 Tagen. Diesen Schwung nehmen wir mit nach Südkorea, wissen aber genauso gut, dass Großereignisse ihre eigenen Gesetze haben und die Uhren in Südkorea für alle Athleten auf Null stehen.

 

Wir sehen uns im TV!

 

Bis dahin,

Euer Marcel.

 

Veröffentlicht : 25.01.2018

Hirscher Blog: 2 Heimrennen, 1 Rallye-Dakar-Held, unendlich viele Emotionen

Ich bin nicht hier, um Punkte zu holen, ich will gewinnen. Also fahre ich die Entscheidung mit dem Messer zwischen den Zähnen und voll am Limit – mit Erfolg.

Hi Leute,

meine zwei Heimrennen 2018 sind Geschichte und sie waren einmal mehr denkwürdig! Starten wir mit dem Kitzbühel-Wochenende. Kitzbühel ist immer eine ganz besondere Herausforderung. Nicht nur, weil dort einer der herausforderndsten Slalomhänge der gesamten Saison wartet, sondern weil das Drumherum jedes Jahr gigantischer und eindrucksvoller wird.

In diesem Jahr bin ich dem üblichen Terminstress allerdings bewusst aus dem Weg gegangen, um mein Energielevel für die letzten Rennen vor Südkorea möglichst konstant zu halten. Soll heißen: Vor dem Slalom am Sonntag bin ich am Donnerstag nur zum Raiffeisen-Medientermin angereist. Danach bin ich wieder heim und habe zwei gute Trainingseinheiten auf der Reiteralm absolviert. Den Super-G über die Hausbergkante habe ich mir heuer geschenkt, weil er a) extrem schwer zu fahren ist, und er mir b) nichts gebracht hätte, außer, dass ich eine Trainingseinheit weniger hätte machen können. Zudem ist ein Startplatz beim Super-G in Südkorea für mich aussichtslos, nachdem meine Speed-Kollegen allesamt schon super Leistungen gebracht und ihre wohlverdienten Tickets nach Korea bereits gelöst haben.

Das alles hat es mir ermöglicht, erst Samstag nach einem letzten Training in Kitzbühel anzureisen. Erstes To-Do dort im Hotel war – selbstverständlich – das Abfahrtsrennen schauen ; ) Natürlich habe ich meinen Team-Kollegen die Daumen gedrückt. Nach seinem sensationellen Lauf habe ich mich dennoch sehr für den Deutschen Thomas Dreßen gefreut – ein ganz sympathischer Bursche, der an diesem Tag mit dem Sieg auf der Streif aller Welt zeigen konnte, was er drauf hat! Chapeau vor seiner Leistung – ein würdiger Sieger eines erneut spektakulären Rennens. Umso erstaunlicher, dass mehr Menschen, nämlich rund 1,7 Millionen Zuschauer, das Slalom-Rennen am Sonntag verfolgt haben, als das Abfahrts-Rennen am Samstag…

Aber zurück zum Sportlichen. Das Bündeln meiner Kräfte die Tage zuvor hat sich für mich als extrem sinnvoll erwiesen, weil der Slalom aufgrund der Schneelage und Pistenverhältnisse eine große Herausforderung war. Am Ganslernhang hat sich gezeigt, dass wir noch nicht für alle Verhältnisse die richtige Set-Up-Abstimmung beisammen haben. Während wir bisher sowohl im Slalom als auch im Riesentorlauf mit wenig Testen sehr gute Resultate einfahren konnten, mussten wir in Kitzbühel feststellen, dass wir für die Kombination aus eisigem Untergrund unter Neuschnee (noch) nicht perfekt gerüstet sind. Ganz einfach, weil wir diese Verhältnisse bis jetzt noch nie hatten.

Dementsprechend bin ich mit dem Bewusstsein in den 1. Lauf gestartet, dass ein Sieg an diesem Tag schwierig bis unmöglich werden würde – zumal mit der Startnummer 2, wo klar war: nach einem Läufer ist der Neuschnee auf der Piste sicher noch nicht abgetragen… Nach dem 1. Durchgang hat sich diese Einschätzung bestätigt. Henrik konnte seine Stärke ausspielen und mit rund 1 Sekunde Vorsprung ins Ziel fahren. Im 2. Durchgang war der Neuschnee als drittletzter Starter dann kein Thema mehr. Das Ergebnis war ein um 1 Zehntel schnellerer Lauf als Henrik, der am Ende verdient und mit satten 0,97 Sekunden Vorsprung das Rennen für sich entscheiden konnte. Unter diesen Vorzeichen in Summe aber ein Superergebnis für mich und wie immer eine gigantische Erfahrung, daheim vor so vielen begeisterten Fans Rennen fahren zu dürfen. DANKE!

Zwei Tage darauf stand mit dem Nachtslalom in Schladming direkt das nächste Highlight an. Für mein Team und mich Grund genug, noch am Montagabend ein Extra-Slalom-Training unter Flutlicht zu absolvieren. Das eine Flutlicht, dass uns dabei ausgefallen ist, haben wir mit einer Stirnlampe und den Scheinwerfern eines Pistengeräts und zweier Skidoos ersetzt. So haben wir nicht ganz die Wettkampfbedingungen für das darauffolgende Nightrace in Schladming geschaffen, aber wir waren nah dran. ; ) Die wettkampfnahe Vorbereitung hat sich im 1. Durchgang am Dienstagabend gleich ausgezahlt: Der Lauf war nicht fehlerfrei, aber es waren einige Passagen dabei, die ich richtig gut erwischt habe, obwohl die Piste oben nicht so hart war, wie ich mir das gewünscht hätte. Trotzdem standen am Ende 0,2 Sekunden Vorsprung auf Henrik…

Im 2. Durchgang habe ich am Start erst einmal mit Michi Matt und Chris Hirschbühl mitgelitten, die an diesem Tag leider Pech hatten und ausgefallen sind. Sie haben beide mächtig was drauf, da ist es ärgerlich, wenn man das nicht zeigen kann. Anschließend habe ich im Starthäuschen Henriks sensationellen Lauf gesehen und den frenetischen Jubel danach gehört. Da wusste ich – jetzt gilt alles oder nichts. Ich bin nicht hier, um Punkte zu holen, ich will gewinnen. Also bin ich mit dem Messer zwischen den Zähnen und voll am Limit in die Entscheidung gestartet – mit Erfolg. Am Ende dieses tollen Rennens standen für mich zwei Mal Laufbestzeit und letztlich 0,39 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Henrik.

Es war mein 54. Weltcup-Sieg. Eine bedeutende Marke. Das hat mich mindestens so gefreut, wie die ehrliche Gratulation von der lebenden Legende Alberto Tomba. Solche Wertschätzung von einem der größten Skifahrer aller Zeiten zu erhalten, ist ein wunderbares Geschenk und zeugt von einem großen Charakter. Meglio grazie grande Alberto!

Dazu der Besuch meines Freundes Matthias Walkner – mit dem ich in der Jugend noch Skirennen gefahren bin und der sich jetzt, mit seinem historischen Sieg bei der Rallye Dakar, als Motocross-Fahrer unsterblich gemacht hat – machen dieses Nightrace in Schladming für mich unvergesslich.

Unsäglich ist dagegen, dass an so einem genialen Abend und bei 45.000 supertollen Fans eine Handvoll Deppen dabei sind, die während des Rennens Schneebälle reinwerfen! Das ist ein Schandfleck, extrem unsportlich und zum Schämen, und tut mir für Henrik als Betroffenen unendlich leid. Ich musste eine ähnliche Situation im Ausland auch schon mal erleben und weiß daher aus Erfahrung, dass das alles andere ist als lustig…

Bedenkt man, dass ich nach dem Rennen in Schladming erst um 1 Uhr ins Bett gekommen bin, war auch der Termin am Mittwochmorgen um 9 Uhr in Wien suboptimal und höchst sportlich gelegt. Der Anlass aber war nichtsdestotrotz eine große Ehre! So oft wird man nicht vom Bundespräsidenten, gemeinsam mit unzähligen Top-Athleten, vor dem Großereignis schlechthin vereidigt. Von daher war es das frühe Aufstehen absolut wert!

Nächster Halt: Der Riesentorlauf kommenden Sonntag in Garmisch. Spannend allein deshalb, weil ich seit Adelboden kein einziges RTL-Training mehr absolviert habe. Demnach steht hinter diesem Rennen derzeit noch ein großes Fragezeichen – mal sehen, wie es nach den zwei geplanten RTL-Trainings am Freitag und Samstag ausschaut.

Wir sehen uns in GAP!

Bis dahin,

Euer Marcel.

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