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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 20.02.2017

Hirscher Blog: Medaillen-Hattrick in St. Moritz

Der Marcel, der im Weltcup fährt & der, der WM-Medaillen gewinnt, sind zwei verschiedene Athleten.

Hi Leute,

was für eine WM, was für eine Ausbeute! Zwei Mal Gold und ein Mal Silber – ein absoluter Traum… Dass uns nach den Schwierigkeiten in der ersten WM-Woche mit meinem Infekt und den Nachwirkungen davon so ein Abschluss gelungen ist – schöner kann es kaum laufen! Meine Spezialdisziplinen, Slalom und Riesentorlauf, waren natürlich der Hauptgrund, weshalb wir überhaupt nach St. Moritz gefahren sind. Nun beides mit Gold veredelt zu haben, ist einfach perfekt!

Nicht nur die Medaillen machen diese WM zu einer ganz besonderen für mich, es sind die kleinen Momente zwischendurch. Momente, wie bei der Siegerehrung am Sonntag, als die Hymne gespielt wurde und man das erste Mal Zeit hat, alles Revue passieren zu lassen, was in den vergangenen Wochen passiert ist… Momente wie die, in denen mein Team und ich uns darüber beraten, die Mission Alpine Kombi aufgrund meiner Verkühlung abzubrechen, nach Hause zu fahren und nochmal anzureisen, um den Erfolg in meinen Spezialdisziplinen nicht zu gefährden…

Wenn du dich in diesen Momenten dazu entscheidest, Risiko zu gehen und durchzubeißen, und du am Ende drei Mal mit Edelmetall belohnt wirst, ist die Genugtuung umso größer. Auch deshalb bin ich zutiefst dankbar, für das, was ich mit meinem Team tun und erreichen darf. Denn klar ist auch: mein Umfeld und mein Team machen Erfolge, wie die in St. Moritz, durch ihren hundertprozentigen Einsatz überhaupt erst möglich!

Nach Silber in der Alpinen Kombination dachte ich – gut, dass unsere Rechnung aufgegangen ist. Nach Gold im Riesentorlauf war der Druck mit einem Mal komplett weg. Ich dachte mir, wenn ich im Slalom alles gebe und es nicht für eine Medaille reicht – auch nicht tragisch, ich bin ja schon Weltmeister ; ) Im Slalom hat mir dieser Gedanke die nötige mentale Lockerheit gegeben, um zwei Mal Vollgas runterzudrücken. Das Ergebnis: Ein zweites Mal Gold und die Erkenntnis, dass der Marcel Hirscher, der um den Gesamt-Weltcup fährt und der Marcel Hirscher, der WM-Medaillen gewinnen will, zwei verschiedene Athleten sind. Der erste muss schauen, dass er runterkommt, um in jedem Rennen Punkte zu sammeln, der zweite scheidet lieber aus, als am Ende auf WM-Platz 4 zu landen – frei nach dem Motto: Podest oder Garnichts.

Diesem Motto sind scheinbar auch meine Teamkollegen Roli Leitinger im Riesentorlauf und Manuel Feller im Slalom gefolgt, sonst würde jetzt nicht je eine Silbermedaille um ihren Hals baumeln. Mit beiden habe ich mich riesig mitgefreut – besonders mit Manuel, der am Tag vor dem Rennen derartige Rückenschmerzen hatte, dass er kaum laufen konnte. 20 Stunden später fährt er mit zwei Super-Läufen zu Silber – Chapeau!

So groß die Freude über die Ausbeute in St. Moritz ist, so leer sind nach den WM-Wochen die Akkus: Energiemäßig bin ich Stand jetzt am Ende, weshalb auch die große Feier bis nach der Saison warten muss. Bevor es für mich in zwei Wochen in Kranjska Gora in die finalen Weltcup-Rennen geht, stehen jetzt erst mal zwei drei Tage Pause auf dem Programm. Dann werden wir uns kräftig auf die Rennen in Slowenien vorbereiten und versuchen, dort nochmal ordentlich zu punkten. Danach werden wir eh sehen, wo wir im Gesamt-Weltcup, im Riesentorlauf- und im Slalom-Weltcup stehen…

Wir hören uns nächste Woche!
Euer Marcel

Veröffentlicht : 13.02.2017

Hirscher Blog: Nach der Verkühlung ist vor Vollgas

So spannend Super-G, Team-Bewerb & Super-Kombi sind, mein Fokus liegt ganz klar auf RTL & Slalom!

Hi Leute,

die erste WM-Woche ist rum, Zeit für ein erstes Update! Los ging’s vergangenen Montag mit der Eröffnungsfeier, bei der mir die große Ehre zu Teil wurde, als Fahnenträger für den ÖSV in den Kulm Park zu marschieren – ein tolles Erlebnis und ein Start nach Maß, an den ich mich sicher lange erinnern werde. Nicht ganz so erinnerungswürdig war dagegen mein erster Ski-Auftritt bei der WM…

Als Techniker beim Super-G ist es immer das Gleiche: Ist der Super-G näher am RTL stehen die Chancen gut. Ist er näher an der Abfahrt, wie es in St. Moritz der Fall war, schwinden die Chancen auf eine Topplatzierung. Unterm Strich war es ein wunderschöner, anspruchsvoll gesteckter Super-G, der letztlich einen Tick zu schnell für mich war. Spaß gemacht hat er dennoch.

 

Was die Nachricht meiner Verkühlung mit Fieber vom Freitag betrifft, ist zu sagen: Bei Weltmeisterschaften sind sehr viele Athleten aus unserem Team in ein- und demselben Hotel – da genügt es, wenn einer einen Virus anschleppt, schon erwischt es die Leute reihenweise. So war es auch bei mir und einigen Kollegen. Die gute Nachricht ist, dass ich mich seit Samstag gut erholt habe, ich einige Abfahrtstrainings bestreiten konnte und meiner Teilnahme an der Super-Kombi nichts im Wege steht ; )

Glücklicherweise hat das Virus unsere Medaillengewinner in der Abfahrt nicht erwischt! So konnten Stephanie Venier und mein Freund Max Franz uns trotz des von Samstag auf Sonntag verschobenen Abfahrtsrennens gleich zwei Mal jubeln lassen! Was Stephanie als nachnomminierte Starterin bei ihrer ersten WM mit ihrer Silber gezeigt hat, ist gewaltig – von ihr werden wir in Zukunft sicher mehr hören! Über Bronze von Max habe ich mich extrem gefreut, als wäre es meine eigene gewesen. Wir kennen uns seit unserer Kindheit und haben sind viele Jahre Zimmerkollegen gewesen. Alles in allem war es eine Riesengaudi den beiden zuzuschauen.

Von den noch anstehenden Bewerben ist die Super-Kombi derjenige, der für mich persönlich das größte Überraschungspotenzial birgt: Wenn es in der Abfahrt gut läuft, kann ich vorne mitfahren, wenn sie schlecht läuft, wird es nichts, weil der Kombi-Slalom meist so gesteckt ist, dass man mehrere Sekunden dort aufholen könnte – zumal es in der Kombi nur einen Durchgang gibt. Aber: wir lassen uns überraschen! Der große Favorit ist sicher Alexis Pinturault, der die letzten Tage im Abfahrtstraining gezeigt hat, dass er nicht nur Slalom fahren kann…

Auch im Team-Bewerb am Dienstag werde ich aller Voraussicht nach antreten. Natürlich werden wir versuchen, den Titel erneut zu holen – auch wenn es ohne unsere Team-Spezialistin Michi Kirchgasser und einem nicht ganz fitten Philipp Schörghofer alles andere als leicht werden wird, dieses Ziel zu erreichen. Klar ist, wer es nicht wagt, kann nicht gewinnen!

Gewinnen! Sicher das Stichwort mit Blick auf meine zwei Parade-Bewerbe, RTL und Slalom am Freitag und Sonntag. So spannend Super-G, Team-Bewerb und Super-Kombi aus sportlicher Sicht auch sein mögen, für mich persönlich liegt der Fokus bei dieser wie bei den vergangenen WMs ganz klar auf RTL und Slalom – wegen diesen Disziplinen bin ich in St. Moritz. Deshalb gilt es sich schon jetzt die Kraft einzuteilen, um in den letzten zwei Bewerben noch genug Power zu haben.

 

Was die Ziele in diesen Disziplinen betrifft, kann ich nur sagen: die ersten drei Plätze sind top, der 4. Platz ist für einen Athleten bei der WM das Schlimmste ; ) Klar ist aber auch: Bei einer WM zählt ein Tag – von daher haben diese Rennen durchaus ihre eigenen Gesetze. Trotzdem: Das Ziel ist in beiden eine Medaille – dieses Ziel hoffen wir zu erreichen.

In diesem Sinne: auf eine schöne und erfolgreiche zweite WM-Woche!

Euer Marcel

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