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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 05.12.2017

Don’t call it a comeback!

In Beaver Creek habe ich mir nach den ersten Toren gedacht: Wow, es geht richtig gut runter! Im Ziel hat sich dieses Gefühl und der Verdacht, dass ich nach wie vor ein Rennpferd bin, bestätigt.

Hi Leute,

was soll ich sagen? Platz 1 beim Riesentorlauf in Beaver Creek war für alle im Team eine riesengroße Überraschung. Dass wir trotz Trainingsrückstand und neuem Material schon im 1. Durchgang vorne mitfahren konnten, war absolut unerwartet. Zu schräg war die letzte Trainingswoche in Colorado: Zu Beginn hatte ich noch rund zwei Sekunden Rückstand auf meine Teamkollegen, Mitte der Woche war es noch eine Sekunde und plötzlich, zwei Tage vor dem Rennen, war ich bis auf fünf Zehntel dran und von einem Tag auf den nächsten dabei…

Die bohrende Frage, ob ich den Trainingsfortschritt im Rennen ummünzen könnte, habe ich am Sonntag auch für mich überraschend beantwortet. Dabei war erste Durchgang gefühlt noch ein wenig mühsam, weil ein Rennen doch immer etwas anderes ist, als Training. Mir persönlich fällt der zweite Durchgang immer etwas leichter – mental und physisch: ganz einfach weil Körper und Geist die exakte Rennbelastung aus dem 1. Durchgang kennen. Bei der Entscheidung in Beaver Creek war es wieder so: Da habe ich mir schon nach den ersten paar Toren gedacht: Wow! Es geht richtig gut runter, die Schwünge fühlen sich super an, das kann was werden. Im Ziel hat sich dieses Gefühl und der Verdacht, dass ich nach wie vor ein Rennpferd bin, bestätigt ; )

Fakt ist: unser Ziel war nicht, das Rennen zu gewinnen. Wir wollten uns den Topleuten vielmehr wieder annähern und versuchen, den Anschluss an die Spitze zu finden. Dass es am Ende für den Sieg gereicht hat, ist gigantisch und wir alle haben eine Riesenfreude daran – nicht zuletzt, weil das gesamte Team in der vergangenen Woche unheimlich viel investiert und Unglaubliches geleistet hat. Trotzdem wissen wir: Beaver Creek ist eine Momentaufnahme und kein Grund, überschwänglich zu werden. Freude ist angebracht, aber der Fokus bleibt bestehen. So früh nach der Materialumstellung bleibt es spannend, was in Sachen Materialanpassung, Set-Up und Linienwahl im Riesentorlauf noch möglich ist.

Summa summarum haben wir in Colorado auch dank des Trainings-Sharing mit den Schweizern und Hernik Kristoffersen viel gutes Feedback und noch mehr Rückschlüsse gesammelt, die uns in den kommenden Wochen sicher weiterhelfen werden. Zudem hilft es, mit Manuel Feller und meinen anderen Teamkollegen, super Sparringspartner zu haben, die in jedem Trainingslauf schneller sein wollen als ich!

Die spannendste Frage mit Blick auf Val d’Isere ist momentan, wie wir es schaffen, nach dem plötzlichen Flugausfall am Sonntag, unsere geplanten Trainings diese Woche unterzubringen. Denn noch sind wir in Colorado statt daheim auf der Couch… Wirkliche Erholung wird es vor den zwei Rennen in Frankreich nun sicher keine geben. Nach den anstrengenden Tagen im hochgelegenen Colorado bitter, denn wenn ich eines noch nicht wieder habe, dann ist es die Skikondition. Aber ich bin sicher, auch die wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Sollten wir den Weg nach Hause doch noch finden, werden wir daheim einen Tag Slalom und einen Tag Riesenslalom trainieren, bevor es am Donnerstag nach Val d’Isere geht. Samstag, Sonntag sehen wir uns dann wie gewohnt beim Rennen!

Bis dahin,

Euer Marcel

Veröffentlicht : 05.12.2017

Tüfteln! Testen! Hoffen!

Bis wir im Riesentorlauf, was Set-Up & Fahrgefühl betrifft, da sind, wo ich hinwill, wird es dauern. Die 6 Skitage, die ich bisher auf dem neuen Material gesammelt habe, reichen hinten & vorn nicht!

Hi Leute,

zu allererst gilt es, meinem Freund Felix Neureuther alles Gute und eine schnelle Genesung zu wünschen. Nach seinem furiosen Einstand in Levi, die Saison mit einem Kreuzbandriss noch vor dem zweiten Rennen beenden zu müssen, ist extrem bitter und schade. Megaschade für ihn, den Sport und auch für mich. Ich hoffe, dass er diesen Rückschlag schnell und gut wegsteckt. Er wird uns allen, insbesondere mir in dieser Saison sehr fehlen!

Bleibt das eigene Packerl, das ich seit meiner Verletzung mit mir rumschleppe: Eine Woche vor dem ersten Riesentorlauf der Saison sind die Fragezeichen, die uns auf der Piste begleiten, riesig! Nicht etwa, was meinen Knöchel betrifft – dem geht es nach dem Test beim Levi-Slalom den Umständen entsprechend gut… Fragen stellen sich eher mit Blick auf den ersten RTL-Härtetest. Dort schmerzen die drei Monate Trainingsrückstand doch ungemein.

Nach der ersten RTL-Watsch’n auf der Reiteralm vor gut 12 Tagen weiß ich: Das Skifahren auf dem neuen RTL-Material ist etwas vollkommen Neues. Der Riesentorlaufschwung, an den ich mich jetzt wieder gewöhnen muss, ist sehr nah an dem dran, was wir vor fünf Jahren, vor der letzten Materialänderung gefahren sind. Hier wieder das perfekte Gefühl zu bekommen, bedarf einigen Kilometern an Übung, die mir schlichtweg fehlen.

Dank der guten Einheiten in den letzten Wochen mit dem österreichischen und auch dem Schweizer Team habe ich es geschafft, gutes Feedback zu sammeln und die riesengroße Trainingslücke zumindest ein wenig zu schließen. Trotzdem ist klar: bis wir im Riesentorlauf, was Set-Up, Fahrgefühl und Schwung betrifft, da sind wo ich mit meinem Team hinwill, wird es noch eine Zeit lang dauern. Die sechs Skitage, die ich bisher auf dem neuen Material gesammelt habe, reichen dafür hinten und vorn nicht aus…

Konkret ist das RTL-Training für mich momentan ein wildes Auf und Ab: Im einen Moment denke ich beim Runterfahr’n: „Wow, das war super!“ Im zweiten Moment, in dem ich die Kollegen den Hang runterhauen siehe, denk ich: „Ok, das sieht mal ganz anders aus.“ Sprich, mein Einschätzungsvermögen auf den neuen Skiern lässt noch etwas zu wünschen übrig und die eine ominöse Sekunde, die mir momentan einfach fehlt, die müssen wir noch finden.

Hoffnung macht mir hierbei vor allem mein Team und die Vergangenheit. Beide haben gezeigt, dass man, mit der nötigen Hingabe und entsprechendem Tüftelaufwand bei frischen Set-Up-Änderungen früher oder später einen ordentlichen Sprung machen kann. Wann und ob das in dieser Saison möglich ist, wird sich zeigen. Alles, was wir tun können, ist unser Bestes geben und nichts unversucht lassen. Genau das tut mein Team jetzt, wo sie von mir endlich Feedback zum neuen Material bekommen.

Unterm Strich ist unsere Reise in die USA, die Montag beginnt, eines von vielen Experimenten, die notwendig sind, um in dieser Saison Fuß zu fassen. Wir hoffen vor Ort auf gute Bedingungen, um bis zum Rennen am kommenden Sonntag wenn möglich drei Trainingstage und einige Materialtests absolvieren zu können. Bis dahin – so hoffen wir – haben wir das ein oder andere gefunden, was es uns erlaubt, schon im ersten RTL-Rennen auf Top-Niveau mitzufighten.

Wir sehen uns in Beaver Creek.

Euer Marcel!

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