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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 16.01.2019

Hirscher Blog: Adelboden für 200!

Es wird immer enger. Leicht geht gar nichts. Die Dichte ist extrem hoch, die Konkurrenz extrem stark. Wenn ich nicht alles – und ein bisschen mehr – gebe, habe ich keine Chance.

Hey Leute,

Volle Punktausbeute in Adelboden! Das kann man so stehen lassen. Die Freude ist riesig, doch der Weg zu den 200 Punkten war – wie so oft – härter erkämpft, als es im TV den Anschein haben mag…

Los ging’s am Samstag mit einem sehr schnellen ersten RTL-Durchgang. Unsere Materialwahl war nicht ideal. Es fühlte sich nicht gut an, der Ski war unruhig und ich konnte nicht richtig attackieren. Im zweiten Durchgang haben wir riskiert. Wir haben den Skischuh umgebaut und einen Ski verwendet, den ich erst zweimal im Training getestet habe. Das hätte ordentlich in die Hose gehen können, ist es aber nicht.

Nach wenigen Toren habe ich gemerkt, dass das Zeug funktioniert, sodass ich voll angreifen konnte. Die beste Laufzeit im zweiten Durchgang und schlussendlich 0,66 Sekunden Gesamtvorsprung brachten die ersten 100 Punkte. Danach kam ein Marathon: Live Interviews, Flower Ceremony, Flash Zone, also TV- und Radio-Interviews, die nicht live sind, danach Interview im VIP-Zelt, Pressekonferenz, Doping-Kontrolle – um 17:00 Uhr war ich im Zimmer…

Dann stellte sich die Frage: Mittagessen, Physiotherapie, Duschen, Umziehen, Video-Analyse, was mache ich und auf was verzichte ich, denn um 18:30 Uhr musste ich bereits zur Siegerehrung fahren. Wer die Qual hat, hat die Wahl… Nach der Siegerehrung folgte direkt die Startnummernauslosung für das anschließende Slalomrennen am Sonntag. Dazwischen: weitere Interviews und eine Award-Übergabe, doch dazu später… ; ) Alles in allem war ich um 20:30 Uhr wieder im Hotel: Abendessen, noch einmal Physiotherapie und ab ins Bett.

Nun zum Slalom. Im ersten Durchgang war ich träge und kam nicht richtig ins Fahren. Wen wundert’s? Mich nicht. Das Programm am Vortag war einfach zu viel, denn irgendwann sollte ich ja auch regenerieren, doch das war leider nicht möglich. Der Zeitrückstand von 0,39 Sekunden war dennoch passabel und lies für den zweiten Durchgang alles offen. Im zweiten Durchgang wusste ich: Es heißt alles oder nichts und ich fühlte mich wieder fit und stark. Mit einem Kraftakt konnte ich am Ende eine halbe Sekunde Vorsprung herausfahren und meinen 67 Weltcupsieg feiern.

Was bleibt von Adelboden neben 200 Punkten? Neun Siege und 16 Podestplätze an einem Ort sind offensichtlich Marken, die bisher noch niemand erreicht hat, was mich sehr freut! Doch das sind Dinge, die man später einmal genießen kann. Momentan stecke ich mitten in einer Saison – mit dem Bewusstsein, dass es immer enger wird. Leicht geht gar nichts. Die Dichte ist extrem hoch, die Konkurrenz extrem stark. Wenn ich nicht alles – und ein bisschen mehr – gebe, habe ich keine Chance. Also werden wir uns auf die kommenden drei Slalom-Klassiker gut vorbereiten müssen.

Nun noch einmal zur oben angesprochenen Award-Übergabe: Sonntag wurde ich von Eurosport zum Weltsportler des Jahres 2018 erklärt. Die nächste Große Ehre, für die ich mich herzlich bedanke. Vor MARTIN FOURCADE, SIMONE BILES, NOVAK DJOKOVIC, LEWIS HAMILTON und MARC MARQUEZ zu gewinnen ist für mich unfassbar. Danke, danke, danke!!!

Bleibt nur noch eine Frage: Wie geht es weiter? Ganz einfach: Zuerst einmal Pause und Regeneration – endlich! Mittwoch werden wir das Training wieder aufnehmen, ehe wir am Samstag nach Wengen reisen.

Bis dahin!

Euer Marcel

Veröffentlicht : 07.01.2019

Hirscher Blog: Über gefühlte Sicherheiten und gigantische Ehren

Ich habe momentan nicht das Gefühl der Souveränität – ein gutes Gefühl beim Fahren hatte ich zuletzt in Alta Badia. Dieses wieder zu erlangen, ist die Aufgabe der nächsten Tage.

Hey Leute,

Der Sieg im Zagreb-Slalom war nach den letzten Rennen eine Erleichterung, gut angefühlt hat er sich nicht! Das klingt komisch, ist aber so. Ich habe momentan nicht das Gefühl der Souveränität. Das hat nichts mit Platzierungen oder der Konkurrenz zu tun, sondern einzig und alleine mit meinem Gefühl während des Fahrens.

Ein gutes Gefühl beim Fahren hatte ich zuletzt in Alta Badia. Da wusste ich während der Fahrt, dass ich schnell bin und hatte eine richtige Freude dabei. Momentan fehlt diese Sicherheit. Sie wieder zu erlangen, ist die Aufgabe der nächsten Tage. Das Ergebnis hat in Zagreb glücklicherweise trotzdem gestimmt – und das, obwohl sich bis zuletzt mit Henrik Kristoffersen, Alexis Pinturault, Manuel Feller und Marco Schwarz gleich mehrere die Krone hätten holen können. Offensichtlich war ich am Ende der, welcher die wenigsten Fehler gemacht hat ; )

Besonders bemerkenswert: Nach dem 1. Durchgang lagen erstmals seit zehn Jahren wieder drei ÖSV-Läufer auf den ersten drei Rängen: Blacky auf 1, gefolgt von mir und Manuel Feller. Mich hat es nicht überrascht: Blacky und Manu sind momentan beide extrem stark, doch die Konstanz fehlt ihnen noch. Das kann sich aber schnell ändern und dann stehen beide regelmäßig am Podest. Nicht vergessen dürfen wir auch Michi Matt, der ebenso stark in Form ist, doch gestern leider Pech hatte… Fakt ist: In der österreichischen Slalomgruppe wird gute Arbeit gemacht. Da pusht jeder jeden und das sieht man nun auch an den Ergebnissen.

Ebenfalls großartig: Seit Anfang Januar habe ich meine eigene Red Bull Dose – im eigenen Design! Das ist eine ganz große Ehre, die mir mein Partner Red Bull damit erweist. Es macht mich sehr stolz, da nur die besten Red Bull Athleten bisher mit einer eigenen Dosen-Edition ausgezeichnet wurden. Erhältlich ist sie schon jetzt, persönlich der Öffentlichkeit präsentieren werde ich sie in Kitzbühel. 😉

Apropos Ehre, ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich bei den über 100 Sportjournalisten von L’Équipe bedanken, welche mich mit dem Titel „Champion des champions“ ausgezeichnet haben, was sinngemäß so viel bedeutet wie „Weltsportler des Jahres“. Auch das ist eine ganz große Ehre und wenn ich mir ansehe, wer die Trophäe vor mir so gewonnen hat – Rafael Nadal, Roger Federer, Usain Bolt, Lionel Messi – muss ich zugeben, dass ich gerührt bin!

Doch das alles hilft mir in Adelboden leider gar nichts. Jetzt heißt es erst einmal: gut erholen, noch besser vorbereiten und die zu Beginn angesprochene Sicherheit beim Fahren zurückzugewinnen. Deshalb verzichte ich auch auf das Hangfahren in Adelboden und werde Mittwoch bis Freitag trainieren. Heute steht nur noch eines am Programm: Schneeschaufeln ; )

Wir sehen uns in der Schweiz!

Euer Marcel

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