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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 17.11.2018

Finnland und die üblichen Fragezeichen

Bisher war es immer schwer zu sagen, wie gut man tatsächlich drauf ist, bevor das erste Rennen gefahren ist. So ist es auch in dieser Saison wieder. Sicher ist: Nach Levi sind wir schlauer!

Nicht verpassen! Am Montag, den 19. November, ab 21:15 Uhr bin ich zu Gast im Sport & Talk aus dem Hangar-7. HIER geht’s zur Sendung.

Lange war es still um mich. Die Verpflichtungen sind seit letzter Saison nicht weniger geworden, aber ich bin glücklich, ein weiteres Jahr Vollgas geben zu dürfen – zumal ich einfach ganz viel Lust verspüre, Rennen zu fahren.

Starten möchte ich das neue Blog-Jahr mit meiner fünften Auszeichnung zum Sportler des Jahres! Das ist natürlich eine wahnsinnig große Ehre und schließt meine perfekte Saison mit einem weiteren großen Highlight ab. Bei der großen Dichte an klasse Sportlern, die wir in Österreich haben, war das ein schöner Moment, in dem ich mich aber definitiv als Stellvertreter für all die Top-Sportler Österreichs sehe – insbesondere Dominic Thiem und Matthias Walkner haben im vergangenen Sportjahr sicherlich nicht weniger geleistet als ich.

Wie es der Kalender will, steht unmittelbar nach dem offiziellen Abschluss des vergangenen Sportjahres für mich und mein Team auch schon der Start des neuen an! Am Sonntag steigt mit dem Slalom im finnischen Levi das erste Rennen des Weltcup-Jahres 2018/19 – wie auch im letzten Jahr mit vielen Fragezeichen. Diesmal allerdings aus vollkommen anderen Gründen.

Vor allem die warmen Temperaturen und die damit verbundenen schlechten Schneeverhältnisse haben die Vorbereitung für alle Athleten erschwert. Trotzdem – und das stimmt uns positiv – habe ich weitaus mehr Trainingstage in den Beinen als letztes Jahr um die gleiche Zeit! Bleibt die Frage nach dem Material…

Wer mich und mein Team kennt, weiß: am Material-Sektor tut sich bei uns immer was. Ob wir in Levi von Beginn an neue Wege gehen, oder ob wir dort zum Start erst einmal auf Altbewährtes setzen, entscheiden wir kurz vor dem Start. Möglich – und auch das stimmt positiv – wäre beides.

Im Hinblick auf die Chance, in Levi nach Ferdl II (2013) und Leo (2016), mein drittes Rentier zu gewinnen, kann ich nur sagen: bis auf einen gemeinsamen Trainingstag mit Manuel Feller habe ich in Bezug aufs Slalomfahren null Referenz. Bisher habe ich zu 99 Prozent alleine trainiert. Wir sind also selbst gespannt, was am Ende für uns stehen bleibt. Bisher war es immer schwer zu sagen, wie gut man tatsächlich drauf ist, bevor das erste Rennen nicht gefahren ist. So ist es auch in dieser Saison wieder.

Sicher ist wohl nur, dass auch 2018/19 im Slalom wieder mit Henrik Kristoffersen zu rechnen sein wird. Aber auch die Konkurrenz aus der eigenen Mannschaft, wie Manuel Feller, Michi Schwarz, Michi Matt ist extrem stark in Form.

In diesem Sinne: warten wir es ab, nach Levi sind wir alle schlauer!

Euer Marcel.

Veröffentlicht : 20.03.2018

Hirscher Blog: 7 Gesamtweltcuptitel, 2 Olympiamedaillen & große Emotionen!

Von ganz unten, wieder nach ganz oben – was für eine Saison! Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen und den Winter Revue passieren zu lassen.

Hi Leute, 

die Saison ist nun mit dem letzten Rennwochenende in Åre zu Ende gegangen und ich bin überwältigt, wie dieser Winter für mich gelaufen ist. Der Sieg im Riesentorlauf war mein 13. Erfolg insgesamt in dieser Saison und eine Rekordmarke.

7. Streich! 😁#89 #weareskiing #verleihtflügel #IWILL #championstrainwithtechnogym #startenstattwarten #DoWhatYouCant©️ tirolfoto

Posted by Marcel Hirscher on Sunday, March 18, 2018

Noch vor fünf Monaten spukten Gedanken wie „ist die Saison vorüber, bevor sie angefangen hat?“, „wird Olympia ein Thema sein?“ oder „ist das jetzt mein Karriereende?“ in meinem Kopf herum und mein Team und ich haben zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zu träumen gewagt, dass wir in diesem Winter so erfolgreich sein könnten. Als die Genesung dann wie gewünscht voranschritt und ich die ersten Schwünge ohne Schmerzen fahren konnte, legten wir die Strategie für den Winter fest: jeden Tag, jedes Rennen und jedes Ergebnis so zu nehmen, wie es ist und gnadenlos ans Limit zu gehen. Diese „egal-was-passiert“-Mentalität, die jegliches Risiko rechtfertigte, hat mir nun am Ende meine beste Saison mit 13 Siegen, zwei Olympiamedaillen und drei Kristallkugeln eingebracht – ein Traum, der aufgrund der Leichtigkeit, die ich Rennen für Rennen an den Tag legen konnte, Realität wurde. Niemand hat von mir in dieser Saison etwas erwartet – nicht die Medien, nicht die Öffentlichkeit, nicht das Team und nicht einmal ich selbst – und das nahm extrem viel Druck, der nach dem letzten Winter bestimmt da gewesen wäre. Ich bin mir sicher, dass diese Saison ohne die Verletzung, die mich aus der Bahn zu werfen gedroht hat, ganz anders verlaufen wäre. Klingt komisch, ist aber so. Der Knöchelbruch hat sehr viel Positives beigetragen zu dem großen Ganzen!

Auch das Duell mit Henrik Kristoffersen, das dieses Jahr beherrschte, war am Ende ein großer Faktor. Wir pushten uns gegenseitig zu Höchstleistungen und wuchsen beide an dieser Aufgabe! Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Skifahrer der Zukunft, obwohl man mit solchen Annahmen immer sehr vorsichtig sein muss, weil schnell wieder jemand da sein kann, der auch ihn fordert! Die Dichte im Skisport ist sehr hoch und wenn ich an die letzten Jahre denke, hatte ich immer Gegner, die mich an meine Grenzen brachten und gegen die ich mit dem Messer zwischen den Zähnen durch die Rennen musste. Ich denke da zum Beispiel an Ted Ligety, der in Höchstform einfach einen extrem schnellen Schwung gefahren ist und an dem ich mir immer wieder die Zähne ausgebissen habe. Auch Alexis Pinturault fordert immer vollen Fokus und ist wohl einer der härtesten Gegner im Riesentorlauf. Im Slalom sind unter anderen Henrik und Felix Neureuther zwei Kandidaten, die immer um den Sieg mitfahren, aber genau das verhilft zu Wachstum. Mein Wille zum Sieg steht über allem, und egal wie viele Siege schon neben meinem Namen stehen, ich möchte einfach die schnellste Zeit fahren!

Am Saisonanfang hat zugegeben nicht gleich alles geklappt und ich hatte mit vielen Rückschlägen zu kämpfen, doch als ich dann in Levi bei meinem ersten Weltcuprennen nach dem ersten Durchgang auf Rang vier lag, fing alles an in den Flow zu kommen. Dort habe ich gemerkt, dass ich vorne mitfahren kann und dieser Moment hat sich ganz stark bei mir eingebrannt. Zu versuchen, einen schönsten Moment zu definieren ist in diesem Jahr beinahe unmöglich, weil jeder Sieg etwas Besonderes ist. In Kranjska Gora zum Beispiel, war die Freude besonders groß, weil da feststand, dass ich den Gesamtweltcup ein siebtes Mal in Folge für mich entscheiden konnte, aber auch die beiden Olympiasiege werde ich nie vergessen. Bei den Spielen war der Druck in diesem Jahr extrem, weil ganz Österreich von mir erwartet hat, dass ich mit Edelmetall um den Hals nach Hause zurückkehre. Es hieß also angreifen und das von Anfang an! Der erste Sieg in der Kombination war natürlich überraschend, auch für mich, und dann im Riesentorlauf noch einmal ganz oben zu stehen war gigantisch und wir alle hatten eine Riesenfreude daran. Es gab sehr, sehr viele schöne Momente in diesem Winter, mehr als 15!

Was die Zukunft angeht, kann ich jetzt noch nicht sagen, wie es weitergeht! Soviel kann ich zu den Spekulationen rund um einen verstärkten Fokus auf die Speed Disziplinen sagen: um in der Abfahrt und dem Super-G Erfolg zu haben, braucht es eine Menge Zeit und Erfahrung und die habe ich nicht. Mich an diese beiden Disziplinen, die eigentlich ja komplett andere Sportarten im Vergleich zum Slalom und Riesentorlauf sind, heran zu tasten, würde mit Sicherheit ein, zwei Jahre dauern, was mit sehr spärlichem Erfolg vorübergehen, und frühestens im darauf folgenden Jahr, oder später Früchte tragen würde. Die Strecken kennen zu lernen, Kilometer auf den langen Skiern zu machen und sich mit dem Tempo anzufreunden klingt spannend, und reizt mich auch, aber ich will mich dieser Aufgabe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr stellen. Es geht darum, Spaß am Skifahren zu haben und damit ist auch die Frage nach den bleibenden Herausforderungen beantwortet. Nach einem Rennwinter wie diesem, freu ich mich auf Entspannung und darauf, die Seele baumeln zu lassen – erst dann, werde ich wieder ins Konditionstraining einsteigen, die ersten Schwünge machen und schauen, ob ich Spaß daran finde. Es geht mir gar nicht darum, neue Ziele und Herausforderungen zu suchen, die Freude am Skifahren reicht mir und wenn die da ist, dann steht einer weiteren Saison nichts im Wege.

Bevor es in den wohlverdienten Urlaub geht, war ich am Montag noch mit Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits und meiner Kollegin Michaela Kirchgasser bei „Sport und Talk aus dem Hangar-7“ bei Servus TV zu Gastund am Donnerstag geht es auch schon nach Kanada zum Heliskiing, und danach hoffe ich auf warmes Wetter und viel Sonne, damit ich meine Badehose bald auspacken kann. Das Ziel ist, für eine Zeit lang richtig abzuschalten und auf der faulen Haut zu liegen. Bin gespannt wie lange das funktioniert, weil ich doch einen sehr ausgeprägten Bewegungsdrang habe!

Ich möchte mich noch abschließend bei meinem großartigen Team bedanken, das die ganze Saison über volle Einsatzbereitschaft gezeigt und hervorragende Leistungen geboten hat. Ohne diese Menschen würde ich nicht dort stehen, wo ich heute bin – ein riesengroßes Danke dafür! Ich möchte auch Johann Strobl kurz hervorheben, der für viele Jahre mein zweiter Servicemann war und sich nun beruflich verändern wird.

In diesem Sinne: Danke für eine unvergessliche Saison!

Euer Marcel

 

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