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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 21.01.2019

Hirscher Blog: Platz 3 in Wengen spornt an

Laufbestzeit im zweiten Durchgang und damit Platz 3 am Lauberhorn waren ein versöhnlicher Abschluss für ein suboptimales Rennen. Nächster Halt: Kitzbühel!

Hey Leute,

Platz 3 beim Klassiker am Lauberhorn – alles andere als optimal gelaufen, aber besser als am Ende nebendran zu stehen… Die Analyse fällt leicht: Im ersten Durchgang bin ich nicht gut genug gefahren und habe zusätzlich zwei grobe Fehler gemacht. Das Ergebnis: neun Zehntel Rückstand!

Gratulieren möchte ich Manuel Feller, der seinen ersten Weltcupsieg mit Platz 2 hauchdünn verpasst hat und natürlich dem Sieger Clement Noel. Dass Manu schnell ist, wissen alle und das hat er schon oft bewiesen. Leider hat er in der Vergangenheit meistens ein paar Fehler eingebaut. Wenn er die Sicherheit hat und zwei gute Läufe runterbringt, wird er immer um den Sieg mitfahren. Und Clement – ist ein riesen Talent! Jung, voller Energie und fährt eine saubere Technik. Er gehört zur nächsten Generation, die mir das Leben wirklich schwer machen, da darf man sich keine Fehler erlauben, sonst kann man mit ihnen nicht mithalten.

Nächster Halt ist Kitzbühel: Was steht bis zum Slalom-Start dort für mich und mein Team auf dem Programm? Montag bis Mittwoch mache ich erst einmal Pause zur Regeneration. Donnerstag bis Samstag wird Slalom trainiert, wobei ich am Donnerstagnachmittag zum traditionellen Raiffeisen-Medientermin nach Kitzbühel komme. Abgesehen davon werde ich versuchen, den gigantischen Medienrummel rund um das Hahnenkamm-Rennen größtenteils zu meiden…

Wie? In dem ich erst Samstagnachmittag nach Kitzbühel reise und Sonntag nach dem Rennen wieder weg bin. Unnötige Termine lasse ich aus und konzentriere mich voll auf mein Kerngeschäft: Skifahren. Denn genau darauf freue ich mich in Kitzbühel am meisten! Der Hang ist extrem selektiv, er bietet alles, was man sich denken kann. Extrem steile Passagen und sogar ein kurzes Stück, wo es bergauf geht. Zeitweise hängt der Hang noch dazu massiv nach links – keine leichte Aufgabe, aber eine schöne!

Bis dahin!

Euer Marcel

Veröffentlicht : 16.01.2019

Hirscher Blog: Adelboden für 200!

Es wird immer enger. Leicht geht gar nichts. Die Dichte ist extrem hoch, die Konkurrenz extrem stark. Wenn ich nicht alles – und ein bisschen mehr – gebe, habe ich keine Chance.

Hey Leute,

Volle Punktausbeute in Adelboden! Das kann man so stehen lassen. Die Freude ist riesig, doch der Weg zu den 200 Punkten war – wie so oft – härter erkämpft, als es im TV den Anschein haben mag…

Los ging’s am Samstag mit einem sehr schnellen ersten RTL-Durchgang. Unsere Materialwahl war nicht ideal. Es fühlte sich nicht gut an, der Ski war unruhig und ich konnte nicht richtig attackieren. Im zweiten Durchgang haben wir riskiert. Wir haben den Skischuh umgebaut und einen Ski verwendet, den ich erst zweimal im Training getestet habe. Das hätte ordentlich in die Hose gehen können, ist es aber nicht.

Nach wenigen Toren habe ich gemerkt, dass das Zeug funktioniert, sodass ich voll angreifen konnte. Die beste Laufzeit im zweiten Durchgang und schlussendlich 0,66 Sekunden Gesamtvorsprung brachten die ersten 100 Punkte. Danach kam ein Marathon: Live Interviews, Flower Ceremony, Flash Zone, also TV- und Radio-Interviews, die nicht live sind, danach Interview im VIP-Zelt, Pressekonferenz, Doping-Kontrolle – um 17:00 Uhr war ich im Zimmer…

Dann stellte sich die Frage: Mittagessen, Physiotherapie, Duschen, Umziehen, Video-Analyse, was mache ich und auf was verzichte ich, denn um 18:30 Uhr musste ich bereits zur Siegerehrung fahren. Wer die Qual hat, hat die Wahl… Nach der Siegerehrung folgte direkt die Startnummernauslosung für das anschließende Slalomrennen am Sonntag. Dazwischen: weitere Interviews und eine Award-Übergabe, doch dazu später… ; ) Alles in allem war ich um 20:30 Uhr wieder im Hotel: Abendessen, noch einmal Physiotherapie und ab ins Bett.

Nun zum Slalom. Im ersten Durchgang war ich träge und kam nicht richtig ins Fahren. Wen wundert’s? Mich nicht. Das Programm am Vortag war einfach zu viel, denn irgendwann sollte ich ja auch regenerieren, doch das war leider nicht möglich. Der Zeitrückstand von 0,39 Sekunden war dennoch passabel und lies für den zweiten Durchgang alles offen. Im zweiten Durchgang wusste ich: Es heißt alles oder nichts und ich fühlte mich wieder fit und stark. Mit einem Kraftakt konnte ich am Ende eine halbe Sekunde Vorsprung herausfahren und meinen 67 Weltcupsieg feiern.

Was bleibt von Adelboden neben 200 Punkten? Neun Siege und 16 Podestplätze an einem Ort sind offensichtlich Marken, die bisher noch niemand erreicht hat, was mich sehr freut! Doch das sind Dinge, die man später einmal genießen kann. Momentan stecke ich mitten in einer Saison – mit dem Bewusstsein, dass es immer enger wird. Leicht geht gar nichts. Die Dichte ist extrem hoch, die Konkurrenz extrem stark. Wenn ich nicht alles – und ein bisschen mehr – gebe, habe ich keine Chance. Also werden wir uns auf die kommenden drei Slalom-Klassiker gut vorbereiten müssen.

Nun noch einmal zur oben angesprochenen Award-Übergabe: Sonntag wurde ich von Eurosport zum Weltsportler des Jahres 2018 erklärt. Die nächste Große Ehre, für die ich mich herzlich bedanke. Vor MARTIN FOURCADE, SIMONE BILES, NOVAK DJOKOVIC, LEWIS HAMILTON und MARC MARQUEZ zu gewinnen ist für mich unfassbar. Danke, danke, danke!!!

Bleibt nur noch eine Frage: Wie geht es weiter? Ganz einfach: Zuerst einmal Pause und Regeneration – endlich! Mittwoch werden wir das Training wieder aufnehmen, ehe wir am Samstag nach Wengen reisen.

Bis dahin!

Euer Marcel

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