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Marcel Hirscher

Racer | Alpine Skier | Fast Driver
Veröffentlicht : 27.02.2017

Hirscher Blog: Mit Volldampf auf die Zielgerade

Komplett ausblenden will ich die Weltcup-Standings nicht, trotzdem halte ich mich lieber bedeckt.

Hi Leute,

nach der ebenso erfolgreichen wie anstrengenden WM habe ich mir mehr Pause gegönnt als ursprünglich geplant: sechs ganze Tage habe ich aufs Skifahren verzichtet! Während der Saison eine lange Zeit und sehr ungewöhnlich. Umso schöner war es, Sonntag mit einer Riesentorlauf-Einheit wieder ins Training einzusteigen… Mit Blick auf die letzten zwei Rennwochenenden sicher die richtige Strategie, um in Kranjska Gora und Aspen so fit wie möglich an den Start zu gehen.

 

Kvitfjell war für mich nach St. Moritz von Vornherein kein Thema. Das Einzige, was ich aus Norwegen per Fernsehen mitbekommen habe, war der Super-G – auch das zu diesem Zeitpunkt in der Saison eine schöne Abwechslung… Dafür geht es jetzt Vollgas auf die Zielgerade! Die Ausgangslage vor dem Rennen in Kranjska Gora: 94 Punkte Vorsprung auf Alexis Pinturault im Riesentorlauf und 70 Punkte Vorsprung auf Henrik Kristoffersen im Slalom. Im Gesamtweltcup sind es 404 Punkte auf Kjetil Jansrud und 432 auf Henrik und Alexis. Komplett ausblenden will ich die Weltcup-Standings kurz vor Saisonende nicht…

Grundsätzlich ist es so, dass die Chancen auf einen 6. Gesamtweltcup in Folge nicht schlecht stehen. Gleichzeitig weiß ich, dass es rein rechnerisch für meine Konkurrenten noch möglich ist, mich abzufangen, weshalb ich mich Stand jetzt lieber bedeckt halte… Das gilt auf für meinen 28. Geburtstag, der am Donnerstag ansteht. Außer einem schönen Essen mit Laura wird am Donnerstag nicht viel passieren. So richtig gefeiert wird auch mein Geburtstag erst nach Ende der Saison.

Jetzt liegt der Fokus voll und ganz auf Slowenien. In Sachen Training steht nach der Erholung daher eine Intensiv-Woche auf dem Programm. Donnerstag fahren wir voraussichtlich nach Kranjska Gora – ein Rennen, das mir nicht erst seit dem ersten Podestplatz meiner Karriere taugt! Bisher bin ich dort immer ganz gut gefahren… hoffen wir, dass es auch diesmal so sein wird ; )

Wir sehen uns im TV!
Euer Marcel

 

Veröffentlicht : 20.02.2017

Hirscher Blog: Medaillen-Hattrick in St. Moritz

Der Marcel, der im Weltcup fährt & der, der WM-Medaillen gewinnt, sind zwei verschiedene Athleten.

Hi Leute,

was für eine WM, was für eine Ausbeute! Zwei Mal Gold und ein Mal Silber – ein absoluter Traum… Dass uns nach den Schwierigkeiten in der ersten WM-Woche mit meinem Infekt und den Nachwirkungen davon so ein Abschluss gelungen ist – schöner kann es kaum laufen! Meine Spezialdisziplinen, Slalom und Riesentorlauf, waren natürlich der Hauptgrund, weshalb wir überhaupt nach St. Moritz gefahren sind. Nun beides mit Gold veredelt zu haben, ist einfach perfekt!

Nicht nur die Medaillen machen diese WM zu einer ganz besonderen für mich, es sind die kleinen Momente zwischendurch. Momente, wie bei der Siegerehrung am Sonntag, als die Hymne gespielt wurde und man das erste Mal Zeit hat, alles Revue passieren zu lassen, was in den vergangenen Wochen passiert ist… Momente wie die, in denen mein Team und ich uns darüber beraten, die Mission Alpine Kombi aufgrund meiner Verkühlung abzubrechen, nach Hause zu fahren und nochmal anzureisen, um den Erfolg in meinen Spezialdisziplinen nicht zu gefährden…

Wenn du dich in diesen Momenten dazu entscheidest, Risiko zu gehen und durchzubeißen, und du am Ende drei Mal mit Edelmetall belohnt wirst, ist die Genugtuung umso größer. Auch deshalb bin ich zutiefst dankbar, für das, was ich mit meinem Team tun und erreichen darf. Denn klar ist auch: mein Umfeld und mein Team machen Erfolge, wie die in St. Moritz, durch ihren hundertprozentigen Einsatz überhaupt erst möglich!

Nach Silber in der Alpinen Kombination dachte ich – gut, dass unsere Rechnung aufgegangen ist. Nach Gold im Riesentorlauf war der Druck mit einem Mal komplett weg. Ich dachte mir, wenn ich im Slalom alles gebe und es nicht für eine Medaille reicht – auch nicht tragisch, ich bin ja schon Weltmeister ; ) Im Slalom hat mir dieser Gedanke die nötige mentale Lockerheit gegeben, um zwei Mal Vollgas runterzudrücken. Das Ergebnis: Ein zweites Mal Gold und die Erkenntnis, dass der Marcel Hirscher, der um den Gesamt-Weltcup fährt und der Marcel Hirscher, der WM-Medaillen gewinnen will, zwei verschiedene Athleten sind. Der erste muss schauen, dass er runterkommt, um in jedem Rennen Punkte zu sammeln, der zweite scheidet lieber aus, als am Ende auf WM-Platz 4 zu landen – frei nach dem Motto: Podest oder Garnichts.

Diesem Motto sind scheinbar auch meine Teamkollegen Roli Leitinger im Riesentorlauf und Manuel Feller im Slalom gefolgt, sonst würde jetzt nicht je eine Silbermedaille um ihren Hals baumeln. Mit beiden habe ich mich riesig mitgefreut – besonders mit Manuel, der am Tag vor dem Rennen derartige Rückenschmerzen hatte, dass er kaum laufen konnte. 20 Stunden später fährt er mit zwei Super-Läufen zu Silber – Chapeau!

So groß die Freude über die Ausbeute in St. Moritz ist, so leer sind nach den WM-Wochen die Akkus: Energiemäßig bin ich Stand jetzt am Ende, weshalb auch die große Feier bis nach der Saison warten muss. Bevor es für mich in zwei Wochen in Kranjska Gora in die finalen Weltcup-Rennen geht, stehen jetzt erst mal zwei drei Tage Pause auf dem Programm. Dann werden wir uns kräftig auf die Rennen in Slowenien vorbereiten und versuchen, dort nochmal ordentlich zu punkten. Danach werden wir eh sehen, wo wir im Gesamt-Weltcup, im Riesentorlauf- und im Slalom-Weltcup stehen…

Wir hören uns nächste Woche!
Euer Marcel

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